Tollwut in Südafrika und Thailand

CRM rät zur vollständigen Impfung vor Reise in Tollwutverbreitungsgebiete

Etwa 59 000 Menschen sterben nach Angaben der World Health Organisation (WHO) weltweit jedes Jahr an Tollwut. Ist die Krankheit ausgebrochen, endet sie stets tödlich. Deutschland gilt seit 2008 als frei von klassischer Wildtollwut. Reisende können sich aber weiterhin infizieren, vor allem in Afrika und Asien. Wer in Regionen reist, in denen Tollwut übertragen wird, sollte sich vorab impfen lassen – auch, weil in vielen Reiseländern hochwertige Impfstoffe nicht regelhaft zu Verfügung stehen.

 „Aus Südafrika werden derzeit neun Todesfälle aufgrund einer Tollwutinfektion berichtet, aus Thailand elf. Dort ist neben Bangkok besonders der Süden und Nordosten betroffen“, berichtet Professor Dr. med. Tomas Jelinek, wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reisemedizin. „In 99 Prozent der Fälle aller Tollwutinfektionen weltweit sind nach Angaben der WHO Bisse oder Kratzer von Hunden für die Übertragung des Tollwut-Virus auf den Menschen verantwortlich, die in der Regel über Speichel auftritt.“ Auch Affen, Katzen oder Fledermäuse können die Erkrankung verbreiten. Dabei ist nicht einmal ein Biss nötig. Bereits wenn der Speichel von infizierten Tieren in Berührung mit kleinen, offenen Hautstellen kommt, können die Tollwutviren in den menschlichen Organismus gelangen. Ein Heilmittel gegen die Krankheit gibt es nicht. Sie bricht zwar nicht bei jedem aus, der sich infiziert hat, aber jeder, der erkrankt, muss sterben. „In der Regel beträgt die Inkubationszeit drei bis acht Wochen. In Einzelfällen kann es sogar mehrere Jahre dauern, bis die Krankheit ausbricht“, sagt der Reisemediziner.

Das CRM rät Touristen, die in Tollwutverbreitungsgebiete wie Asien, Afrika oder auch Lateinamerika reisen, zur Vorbeugung: „Schon vor der Reise sollten sie sich vollständig mit einem modernen Zellkulturimpfstoff impfen lassen“, so Prof. Jelinek. Für diesen vollständigen Schutz wird die Tollwutimpfung in drei Dosen innerhalb von mehreren Wochen verabreicht. Der Impfschutz sollte bei Bedarf dann im Abstand von drei bis fünf Jahren aufgefrischt werden.

Daneben gibt es noch eine sogenannte Schnellimmunisierung, bei der es auch möglich ist, innerhalb von einer Woche zu impfen. Nach Kontakt mit einem tollwutverdächtigen Tier sollte dann sicherheitshalber aber unbedingt nochmals geimpft werden. „Allerdings sind in den meisten Schwellen- und Entwicklungsländern die dafür nötigen hochwertigen Zellkulturimpfstoffe und Immunglobuline nur sehr eingeschränkt erhältlich – am ehesten in Kliniken mit westlichem Standard in den großen Metropolregionen“, so Prof. Jelinek. „Es gab auch schon Fälle, bei denen Medikamentenfälschungen verabreicht wurden.“ Deshalb sollten Reisende vor Reiseantritt besser vollständig geimpft sein – insbesondere, wenn es sich um eine Reise in Gebiete mit unzureichender medizinischer Versorgung handelt, bei Langzeitaufenthalten oder bei einem möglichen Kontakt zu Tieren, etwa weil Nationalparks besucht werden.

Die WHO hat im Juni dieses Jahres den Plan „Zero by 30“ verabschiedet, der es sich zum Ziel setzt, bis ins Jahr 2030 alle Tollwutinfektionen, die durch Hunde übertragen werden, auszurotten. Tollwut lasse sich zu 100 Prozent durch eine Impfung vermeiden, so die WHO. Dennoch stirbt alle neun Minuten ein Mensch daran. Unter den jährlich 59 000 Tollwutopfern sind 40 Prozent Kinder aus Asien oder Afrika.

Quellen:
World Health Organization, Zero by 30
World Health Organization, Fact Sheet Rabies
Robert Koch Institut
Epidemiologisches Bulletin, 28. Februar 2011 / Nr. 8 Aktuelle Daten und Informationen zu Infektionskrankheiten und Public Health
©CRM

 

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