Reise nach Breslau in der Woiwodschaft Niederschlesien: 3. Station in Hřensko

Der Abschied von Stolpen fiel mir nicht schwer, da mein nächster Zwischenstopp das Barockschloss Rammenau war, das nur etwa 20 km entfernt ist. Das Schloss, dass sich hinter einem ehemaligen Gutshof “versteckt”, der lange Zeit von der LPG genutzt worden war, zog meine Aufmerksamkeit auf sich, da es heute anderweitig genutzt wird.

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Nachdem ich meine Eintrittskarte erworben hatte, machte ich mich auf, um das sächsische Landschloss zu erkunden, in dem Konzerte, Kochabende sowie Führungen angeboten werden und das unter anderem auch für Familienfeiern bzw. Firmenveranstaltungen gemietet werden kann. Von außen wirkt es repräsentativ und vermittelte einen hochherrschaftlichen Eindruck. In den historischen Innenräumen stecken spannende Geschichten über die einstigen Besitzer sowie die barocke und klassizistische Raumgestaltung. Im Vestibül wird der Gast entsprechend empfangen: einladend geräumig und herrschaftlich großzügig gestaltet laden die stilvollen Salons, das kostbare Porzellan und die bezaubernden Wandmalereien zum Träumen in der Sommerresidenz ein.

Vom Eingang geht es gleich in den Spiegelsaal. Das ist der größere, der beiden liebevoll restaurierten Säle, die als Teil des Restaurants genutzt werden bzw. für Veranstaltungen zur Verfügung stehen. Hier kann der Bräutigam der Braut sein Ja-Wort geben oder etwa eine Jubilar-Feier stattfinden.

Konzerte und Musikgenuss im Spiegelsaal des Barockschlosses haben eine lange Tradition, die bis in die Barockzeit zurückreicht und heute mit einer guten Akustik sowie einem einzigartigen Flair beeindruckt.

Vom unteren Bereich, der für das Restaurant bzw. Veranstaltungen reserviert war, führte eine Treppe, deren Treppenhaus im italienischen Stil gehalten war und dadurch viel Raum bot, in die obere Etage. Hier fand ich mich eher in einem Museum wieder. Ich genoss die Feinarbeit der Restauratoren, die hier geleistet worden ist. Alle Details waren gut ausgearbeitet, wenn auch nicht immer Stil- und zeitgerecht umgesetzt. Aber das tat nichts zur Sache, denn ich genoss den Besuch auch so und verbrachte etwa 90 Minuten dort.

Weiter führte mich meine Fahrt nach Königstein, wo ich der Bergfestung einen Besuch abstattete. Diese Bergfestung Königstein lädt zu einem Rundgang und zum Besuch der Kasematten ein. Der 1,7 km lange Panorama-Rundweg entlang der Festungsmauer bietet erstaunliche Ausblicke auf den Nationalpark Sächsisch-Böhmische Schweiz, die Ausläufer des Osterzgebirges und Dresden. Wer es liebt in Geschichte abzutauchen, der ist hier gut aufgehoben. Empfehlenswert ist es einen Audio-Guide zu mieten, der den Festungsrundgang und durch die Dauerausstellung führt. Leider hatte ich für meinen Besuch dieses historischen Platzes nicht ausreichend Zeit eingeplant, sodass ich hierhin nochmals wieder zurückkommen muss, denn ich konnte in knapp 90 Minuten nur einen Bruchteil dessen sehen, was für Besucher zugänglich ist.

Das nächste Ziel war Hřenskodem Tor zum Nationalpark Böhmische Schweiz, denn von dort aus wollte ich zum Prebischtor aufsteigen: eine Tour von etwa sechs Stunden, wenn man zügig unterwegs ist. Dafür hatte ich mir ein Zimmer im Hotel Praha vorbestellt, das einschließlich Frühstück für rund 50 EUR zu haben war, obwohl es eigentlich zwei Personen beherbergen konnte.

Prebischtor in der Böhmischen Schweiz
Prebischtor in der Böhmischen Schweiz

Nachdem ich mein Auto auf dem hoteleigenen Parkplatz abgestellt und mein Zimmer bezogen hatte, machte ich mich auf den Weg zum Prebischtor. Laut Beschreibung beträgt die Entfernung etwa acht Kilometer, sodass ich für den Auf- und Abstieg rund drei Stunden berechnet hatte, denn ich wandere alleine und kann mein Tempo gut selbst bestimmen.

Zunächst führte der Weg rund 1,5 Kilometer entlang der Landstraße bis zum Abzweig in die Berge der Böhmischen Schweiz. Bis hierhin war die Steigung gering und die Strecke schnell überwunden. Nachdem ich in den Wald abgeben war, stieg der Weg steiler an und ich überwand schnell etliche Höhenmeter. Ich empfehle festes Schuhwerk, denn die Wege sind unbefestigt, teilweise sehr sandig bzw. steinig und mit starkem Wurzelwerk durchzogen. Stetig ging es nach oben und mein Blick versuchte ein erstes kleines Anzeichen des Prebischtors zu erhaschen. Nach etwa einer Stunde Aufstieg konnte ich endlich einen kleinen Teil meines heutigen Ziels sehen. Bis zum Aussichtspunkt dauerte es aber weitere dreißig Minuten, die sich unendlich lang anfühlten.

Oben am Hotel angekommen, kaufte ich mir zunächst eine Eintrittskarte, denn das Gelände ist privat und daher nur kostenpflichtig zu besichtigen. Ich gönnte mir eine kleine Brotzeit und stieg danach noch etwa 100 Stufen weiter gen Himmel: zur Aussichtsebene auf dem Plateau.

Glücklich und erschöpft machte ich mich nach etwa einer Stunde Aufenthalt wieder auf meinen Abstieg nach Hrensko. Ebenso wie den Aufstieg bereitete mir auch dieser Teil meiner Wanderung viel Freude. Alle Menschen, denen ich begegnete, waren ausgesprochen freundlich und hilfsbereit. Zu keiner Zeit fühlte ich mich bedroht oder unsicher. Rechtzeitig zum Abendessen kam ich wieder im Hotel an, wo ich mich zunächst unter die Dusche stellte, um den Schmutz der Wanderung wieder loszuwerden. Danach nahm ich ein rustikales Abendessen im Hotelrestaurant ein, das einfach aber gut war. Mit einem dunklen Bier in meinen vom Wandern geschwächten Adern begab ich mich dann ins Bett, wo ich direkt einschlief und traumlos die Nacht verbrachte.

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