Reise nach Breslau in der Woiwodschaft Niederschlesien: 4. Station in Görlitz

Blick auf die Altstadt von Görlitz
Blick vom Obermarkt in Richtung Altstadt von Görlitz

Von Hřensko in der Tschechischen Republik führte mich meine Fahrt durch die Böhmische Schweiz nach Görlitz in Sachsen. Die Grenzstadt am Ufer der Neiße hat mein Interesse vor allem dadurch geweckt, da ich in der einschlägigen Berichterstattung über diese Stadt, die ich in Tageszeitungen und Journalen finden konnte, durchweg eine sehr positive Entwicklung wahrnehmen konnte. Ich freute mich darauf, die „Wiedergeburt bzw. das Auferstehen in altem Glanz“ selbst erleben zu können.

Als Übernachtungsmöglichkeit hatte ich mir die Obermühle ausgesucht. Eine preiswerte Unterkunft, die aber alles bot, was ich mir wünschte: Holzfußböden, Holzmöbel und Nähe zum Fluss. Zudem gab es auch ein Restaurant, sodass ich mich nach einem langen Sightseeing-Tag nicht noch nach anderen Möglichkeiten zum Abendessen umsehen musste. IMG_4816_lowBei meiner Ankunft erhielt ich ein „Mühlengeist-Zimmer“, dass der 2. Kategorie des Hotelteils entspricht und einen wunderbaren Blick auf den Fluss und den Neiße-Viadukt bietet. Sicherheitshalber reservierte ich für mich einen Tisch im Restauarnt.

Blick von der Obermühle auf den Neiße-Viadukt
Blick von der Obermühle auf den Neiße-Viadukt

Zu Fuß machte ich mich auf den Weg, um die Stadt zu erkunden. Vom Hotel aus ging es leicht ansteigend in das Stadtzentrum, vorbei an neu renovierten Jugendstil- und Gründerzeit-Häusern, die oftmals aber direkt neben unansehnlichen, baufälligen Gebäuden standen. Alt trifft auf neu, könnte ich hier sagen, aber schön war es irgendwie doch: Der Flair einer Wiedergeburt war zu spüren und das gab mir Zuversicht, dass es nur noch schöner werden kann. Die nachfolgenden Bilder sprechen eigentlich für sich.

Im Stadtkern angekommen, entschied ich mich dafür, zunächst einmal mit der Straßenbahn eine Fahrt durch die Stadt zu unternehmen, um ein Gespür für Görlitz zu erlangen. Ich erwarb einen Tagesfahrschein für Bus & Bahn und machte mich auf Erkundungstour.

Der ÖPNV ist in Görlitz erschwinglich günstig: Tageskarte 3,50 €
Der ÖPNV ist in Görlitz erschwinglich günstig: Tageskarte 3,50 €

Am Postplatz stieg ich wieder aus der Tram und entschied ich mich, wieder zu Fuß weiter zu gehen, damit ich weitere Eindrücke sammeln konnte und bewegte mich über den Demianiplatz in Richtung Reichenbach Turm. Irgendwie bewegte ich mich wie auf einer Zeitreise: zurück in meine Erinnerungen … an Zeiten bei den Großeltern … und Reisen durch Sachsen-Anhalt. Obwohl vieles renoviert wurde und aktuelle Fahrzeugmodelle auf den Straßen unterwegs waren, konnte ich das Gefühl, mich im Osten aufzuhalten nicht loswerden. Jetzt werden sicherlich viele sagen: Was willst du eigentlich? Es ist doch noch immer der Osten, auch wenn viel Geld investiert wurde, um die Infrastruktur und die Gebäude zu sanieren: In den Köpfen ist es scheinbar noch nicht angekommen. Ein Erlebnis der besonderen Art bestätigte mich darin: Ich habe mir spontan eine Pedi-/Maniküre gegönnt und habe ohne Anmeldung auf eine Klingel gedrückt, die auf ein solches Angebot hinwies. Da sich niemand daraufhin meldete, rief ich die Rufnummer, die dort angegeben war, von meinem Mobiltelefon aus an. Es meldete sich eine freundliche Stimme, die mir zu verstehen gab, dass die Geschäftszeit eigentlich schon vorbei sei. Auf die Frage hin, wann ich denn da sein könnte, und meine Antwort, dass ich vor der Türe stehe, wurde ich eingeladen, einzutreten. Was jetzt folgte, war nicht nur eine perfekte Behandlung, sondern auch die erquicklichste Unterhaltung über Land und Leute sowie das Leben im Allgemeinen, die ich in der nahe zurückliegenden Zeit gehabt hatte. Wir sprachen vorbehaltlos über Beweggründe zum Verweilen in Görlitz bzw. über Argumente zum Zuzug in diese Stadt. Erstaunlich, was mir dabei so alles zu Ohren kam. Über die Menschen im Osten denke ich heute positiv anders, aber über die Politiker zunehmend schlechter. Das ist aber ein Thema, über das hier nicht diskutiert werden soll. Nach fast zwei Stunden setzte ich meinen Stadtrundgang fort und bewegte mich in Richtung Untermarkt, wo sich das Schlesische Museum und andere touristische Stadt-Attraktionen befinden.

In diesem Stadtteil konnte man klar sehen, wo investiert worden war: Die Gebäude befanden sich ausnahmslos in einem perfekten Zustand und zogen die Touristen an. Ich musste aber resümierend feststellen, dass Gelder nicht nur für Prestigeobjekte eingesetzt werden sollten, sondern generell für das Allgemeinwohl eingesetzt werden müssen. „Oben hui, unten pfui“ wird häufig gesagt, und hier trifft es leider zu. Schaue ich hinter die Fassade, dann ist nicht mehr alles Gold, was glänzt.

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Hier wird aber sicherlich die Zeit die letzten Wunden heilen. Ich machte mich nach einem rund sechsstündigen Rundgang durch Görlitz wieder auf den Weg zurück in mein Hotel. Dort angekommen war ich überglücklich, dass ich eine Tischreservierung vorgenommen hatte, denn ganz offensichtlich ziehen die Privatbrauerei der Obermühle und das gutbürgerliche Essen viele Gäste an: Das Restaurant war, obwohl es Mitte Oktober und kein Wochenende war, bis auf den letzten Platz gefüllt. Ich fand meinen Platz am Katzentisch: Dort wird man immer wieder gerne platziert, wenn man Alleinreisender ist. Oh, wie ich das hasse!

Nach einer erholsamen Nacht war mein nächstes Ziel die Stadt Breslau, wo ich nach rund 200 km Fahrtstrecke am frühen Nachmittag ankommen und für drei Tage bleiben wollte.

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