Von Zermatt nach St. Moritz mit dem Glacier Express

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Auf meiner Reise nach Krakau in Polen traf ich einen Angestellten der Schweizerischen Bundesbahn, mit dem ich mich über die Reisemöglichkeiten mit dem Glacier Express unterhielt. Er schwärmte so überheblich davon, dass ich mich auf die Suche nach einem Reisebüro begab, das eine solche Reise organisieren könnte. Damit sollte der Wunsch meiner Frau erfüllt werden, die von dieser Fahrt schon so lange Zeit träumte.

Alle Versuche über DER oder ein anderes Reisebüro eine solche Reise organisiert zu bekommen, scheiterten daran, dass man mir keine Sitzplatz-Zusage machen konnte bzw. wollte, da man erst drei Monate vor Reisebeginn genau sagen könne, ob man überhaupt einen Platz ergattern wird und wo man sitzen werde. Der Bekannte von der SBB wiederum riet mir, mich an das STC zu wenden, die sich auf Reisen innerhalb der Schweiz spezialisiert haben.

Nach zahlreichen Beratungsgesprächen habe ich schließlich eine Rundreise von Köln über Basel nach Zermatt mit Übernachtung in einem 4* Hotel, am folgenden Tag weiter mit dem Glacier Express nach St. Moritz mit einer weiteren Übernachtung dort in einem 4* Hotel und zurück mit der Rhätischen Bahn über Davos und Landquart nach Baden-Baden (Übernachtung in einem 5* Hotel) gebucht, wo wir zwei Tage entspannen wollten, bevor es zurück nach Köln ging. Ein großes Dankeschön an die Dame von STC für die Planung und Umsetzung. Wie immer bei solchen Reisen kann es zu Unannehmlichkeiten und „Problemen“ kommen, die dann von den Reisenden selbst zu erledigen sind bzw. eventuell auch nicht abgeändert werden können.

Höhenmeter der Strecke, die zu überwinden sind. ©Glacier Express
Höhenmeter der Strecke, die zu überwinden sind. ©Glacier Express

Der Werbetext der Rhätischen Bahn lautet: Erleben auch Sie den Klassiker der Schweizer Panoramafahrten! Mit dem «langsamsten Schnellzug der Welt» fahren Sie innerhalb von rund acht Stunden von Zermatt ins mondäne St. Moritz. Dabei geht es über 291 Brücken und durch 91 Tunnels, entlang unberührter Landschaften, tiefen Tobeln bis hinauf zum 2033 Meter hoch gelegenen Oberalppass.

Unsere ICE-Anreise mit der Deutschen Bahn von Köln über Basel – und den vielen Zwischenstationen mit äußert kurzen Umsteigezeiten – verlief sehr gut und jeder Anschlusszug wurde erreicht. An dieser Stelle sei mir der Hinweis erlaubt, dass sich die SBB als eine der pünktlichsten Eisenbahnen der Welt bezeichnet. Das wurde uns an diesem Tag bewiesen. Als wir dann endlich nach rund acht Stunden Reisezeit in Zermatt angekommen waren, hieß es nur noch mit unserem Gepäck die 300 Meter bis zum Hotel zu kommen. Auch das schafften wir und fanden uns schließlich in einem netten Hotel (Pollux) wieder, in dem das Zimmer genau unseren Wünschen entsprach: Holzfußboden, Allergiker-Bettwäsche und überaus freundliches Personal. Die Tischvorbestellung zum Abendessen verschaffte uns einen Platz im bereits ziemlich gut besuchten Restaurant, sodass wir den 1. Reisetag entspannt ausklingen lassen konnten.

Nach einer erholsamen Nacht machten wir uns wieder auf den Weg zurück zum Bahnhof, um unsere reservierten Sitzplätze im Glacier Express einzunehmen. Die Positionierung im Zug war perfekt, aber leider ist das Raumangebot für „mitreisendes Gepäck“ nicht sehr umfangreich.

Leider war der Staubereich für das Gepäck viel zu klein.
Leider war der Staubereich für das Gepäck viel zu klein.

Mehrfach fielen unsere Koffer vom Kofferstapel auf den Wagonboden. Nicht sehr angenehm, aber dieser Hinweis sei mir hier erlaubt, falls jemand der Räthischen Bahnen/SBB das hier liest und es als Reiseerfahrung von Gästen in das Qualitätsmanagement mit einfließen lassen würde. Vielleicht ändert sich ja etwas.

Wir ließen uns aber alle, die wir im nicht ausgebuchten 1.-Klasse-Wagon saßen, davon nicht aus der Ruhe bringen, denn der Ausblick auf die winterliche, schneegepuderte Bergwelt war Entschädigung für vieles. So genossen wir die Umgebung und konzentrierten uns auf unsere Fahrt.

Nach etwa zwei Stunden Fahrt bereiteten die Zugbegleiter die Tische für das Mittagessen vor. Wir waren sehr gespannt, was uns denn als 3-Gänge-Menü (40 EUR/Pers.) geboten werden würde. Die Enttäuschung über das in allen Prospekten über den Klee gelobte 3-gängige (Gourmet)-Menü war ernüchternd. Es hatte seinen Namen und die Art wie es serviert wurde, nicht verdient. Ich möchte jetzt hier nicht weiter ins Detail gehen, aber wir kamen uns wie in einer besseren Kantine vor: Das Essen wurde zwar nicht aus dem Topf auf den Teller, aber aus großen Schüsseln direkt auf diesen geladen. Kein Food-Arrangement oder ähnliches, was ich bei dem Preis aber erwartet hätte. Der Teller wurde einfach nur beladen! Zudem waren die Preise zum Beispiel für eine Flasche Wasser (0,2 l = 5,10 EUR) oder eine Tasse Kaffee (5 EUR) auch gesalzen, sodass ich jedem Reisenden nur empfehlen kann, sich sein eigenes Wasser mitzubringen bzw. auf dieses Gourmet-Essen zu verzichten. Wir wären auch nicht verhungert, hätten wir nichts zu essen bekommen. Wenn man aber schon ein 3-gängiges Menü bestellt hatte, sollte das auch dem Preis angemessen sein.

Während des eingleisigen Anstiegs auf dem Weg nach St. Moritz – kurz vor dem Landwasserviadukt – hatten wir dann wegen eines technischen Defekts einen nicht geplanten Zwischenstopp auf freier Strecke. Sie können sich sicherlich die Aufregung vorstellen, nicht zu wissen, wie man in den Bergen auf eingleisigen Strecken eventuelle Rettung erfahren könne. Das Zugführer hüllte sich in Schweigen und erklärte auch, nachdem der Zug sich wieder bewegte, nicht die Umstände, die diese Verzögerung verursacht hatten. Hier wäre etwas mehr Kundennähe angebracht gewesen, damit sich die Aufregung und Anspannung legten.

Fahrt über den Landwehr-Viadukt kurz vor St. Moritz
Fahrt über den Landwasserviadukt in der Nähe von Fillisur

In St. Moritz angekommen war der zugesagte Shuttle-Service des 4* Hotels Reine Victoria nicht da, um uns abzuholen. Sei es der Verspätung durch den ungeplanten Zwischenstopp geschuldet, aber so sollte der Service eines Sterne-Hotels nicht aussehen. Nachdem wir schließlich unser Zimmer bezogen und das Gepäck verstaut hatten, erwartete uns die nächste Überraschung, denn unsere Tischreservierungfür 19 Uhr im Restaurant Siam Wind war nicht bekannt. Nach langem Diskutieren schaffte es schließlich der Concierge für uns einen Tisch nach 20:30 Uhr zu erhalten. Schade, denn das eigentliche Geburtstagsessen meiner Frau hatte ich mir anders gewünscht und vorgestellt. Auf Rückfrage bei der Organisatorin des STC-Reisebüros gab es für die 19-Uhr-Reservierung sogar eine schriftliche Rückbestätigung seitens des Hotels. Das sollte in einem 4*-Hotel nicht passieren, dass extra bestellte Serviceleistungen und Tischreservierungen nicht erfüllt werden. Es blieb uns also nichts anderes übrig, als ein spätes Abendessen einzunehmen. Wir nutzten die nunmehr uns zur Verfügung stehende Zeit bis zum Essen, um uns das nächtliche St. Moritz etwas anzusehen. Die späte Stunde brachte den Vorteil mit sich, dass bereits alle Geschäfte geschlossen hatten und wir nur Schaufensterbummeln konnten.

Unsere Weiterfahrt mit der Rhätischen Bahn am nächsten Tag von St. Moritz über Davos-Klosters nach Landquart und weiter mit dem ICE mit dem Fahrtziel Baden-Baden verlief ganz nach Plan und bot idyllische Ausblicke auf die schneebedeckte Berglandschaft. Diese Fahrt war zwar nicht im Glacier Express, aber trotzdem identisch, wenn nicht sogar besser, denn landschaftlich durch die große Menge an Schnee sehr viel attraktiver.

Unser Aufenthalt in Baden-Baden entsprach dem, was wir von dieser Stadt bereits kennengelernt hatten: Ein mondänes, altes Bad mit viel Geschichte und reizvollen Ecken. Da wir uns aber „nur“ von den etwa 22 Stunden Bahnfahrt erholen wollten, waren der Spa-Bereich des Hotels und die guten Cafés sowie Restaurants der Stadt genau das, was wir zum Entspannen brauchten. Nichts tun und nichts sehen – so lautete das Motto. Zwei Nächte später reisten wir dann zurück nach Köln. Eine Fahrt die ganz unseren Erwartungen entsprach und ein sehr schöner Reiseabschluss war.

Bezüglich der Glacier-Express-Reise muss ich sagen: Wenn wir sie noch einmal machen würden, dann aber nur Teilstücke der Gesamtstrecke, denn zeitweilig war es die Fahrt nicht wert „Glacier Express Reise“ genannt zu werden, denn es war dann eher ein Nahverkehrszug, der auf ebener Strecke von A nach B unterwegs war. Ungeachtet aller vorgenannten Erfahrungen und Unwägbarkeiten haben wir die Reise genossen.

Ich hoffe, dass mit meiner Schilderung zukünftigen Reisenden ein Hinweis darauf gegeben wurde, worauf man gegebenenfalls zu achten hat und auf was man verzichten sollte und könnte.

Hinweis zu den Bildern: ©Urheber-ID 986011

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