Politische Bildungsfahrt nach Berlin

Berliner Bären

Durch Zufall stieß ich bei Recherchen auf einen Hinweis im Internet, dass man als politisch Interessierte/r sich um eine Reise nach Berlin zum Besuch des Parlaments und der einladenden Bundestagsfraktion bewerben kann. Hört sich für mich toll an, denn in den Bundestag kommt man nicht so ohne Weiteres hinein und mit Fraktionsmitgliedern erlin_Reinhard E. Wagner_Bundestag-DSC00062kann man normalerweise als Nicht-Parteimitglied auch nicht immer reden. Ich suchte also auf dem Internet nach weiteren Angeboten und Möglichkeiten, im Besonderen nach Kontakten mit den entsprechenden Informationen darüber, wie und wo man sich bewerben kann bzw. sollte, und fand diese Einladung:
„Als Abgeordneter des Deutschen Bundestags besteht für mich die wunderbare Gelegenheit, politisch interessierte Bürgerinnen und Bürger zu mehrtägigen Informationsfahrten in die Bundeshauptstadt Berlin einzuladen. In Zusammenarbeit mit meinem Büro stellt das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (BPA) ein informatives und spannendes Programm mit vielen interessanten Institutionen und Sehenswürdigkeiten des politischen, historischen und kulturellen Berlins zusammen. Die Fahrten im Jahr 2019 finden jeweils von Mittwoch bis Samstag (13.-16. März, 16.-19. Oktober und 4.-7. Dezember) statt.
Organisiert und finanziert wird die Reise vom Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (BPA). Für Sie kostenfrei sind:
• Hin- und Rückreise mit der Deutschen Bahn
• Drei Übernachtungen im Hotel
• Frühstück, Mittag- und Abendessen 

Schnell fand ich heraus, dass fast alle Fraktionen solche Reiseangebote machen. Ich entschied mich daraufhin, meiner „Partei“ zu schreiben, um mich formlos zu bewerben. In meinem Bewerbungsschreiben nahm ich Bezug auf meine Beweggründe, positionierte mich und erklärte, was ich mir von einer solchen Reise versprechen würde. Nachdem ich meine Bewerbung auf den Weg gebracht hatte, erlaubte ich mir auch weitere Fraktionen anzuschreiben, um meine Chancen zu erhöhen.

Von zwei MdB erhielt ich Absagen, verbunden mit dem Hinweis, dass ich mich bitte an einen Abgeordneten aus meinem Wahlkreis wenden möge, da sie nur interessierte Bürger aus ihrem eigenen einladen würden. Sie waren aber beide so hilfsbereit, mir die entsprechenden Kontaktdaten gleich mitzuteilen. Schade, dachte ich, denn eigentlich sollte man dabei doch keinen Unterschied machen. „Oder sehen das die Abgeordneten eher als Wahlveranstaltung an“, fragte ich mich?

Unerwartet schnell erhielt ich aber sehr zeitnah von „meiner Partei“ eine postalische Einladung mit einem festen Termin und allen relevanten Vordrucken, die auszufüllen wären, damit die Reise verbindlich gebucht werden könnte. Ich war hocherfreut und wollte gerade den Termin in meinem Kalender eintragen, als mir bewusst wurde, dass ich zu dem angegebenen Zeitpunkt leider nicht verreisen konnte. Ich informierte das Büro des Mitglieds des Deutschen Bundestages darüber und erhielt sofort die freundliche Rückantwort, dass man mich für den nächsten Termin vormerken würde. Und das Erfreuliche war zudem, dass es sich nicht um ein MdB aus meinem Wahlkreis handelte, sondern sogar um eine aus einem anderen Bundesland.

Glaskuppel auf dem Parlamentsgebäude in Berlin
Reichstagsgebäude: Parlamentsgebäude im Stil der Neurenaissance mit einer Glaskuppel von Norman Foster und Panorama-Stadtblick.

Etwa einen Monat später erhielt ich die verbindliche Bestätigung, dass ich zur „politischen Bildungsfahrt“ angemeldet bin und was ich alles zur Reise mitzubringen habe. Das Programm sieht unter anderem die Besichtigung des Plenarsaals, ein Gespräch mit dem MdB, eine Führung im DeutschlandRadio, einen Besuch des jüdischen Museums sowie einen Besuch des Dokumentationszentrums „Topographie des Terrors“ vor. Zudem wird eine Stadtrundfahrt angeboten. Da es sich um eine Bildungsfahrt handelt, für die man bei seinem Arbeitgeber auch Bildungsurlaub beantragen kann, befindet sich in den übersandten Unterlagen auch eine entsprechende Bescheinigung zur Vorlage beim Arbeitgeber.

Ich bin jetzt gespannt, was ich in Berlin bei dieser politischen Bildungsreise, über die ich nach meiner Rückkehr hier berichte, alles erleben werde.

Holocaust-Mahnmal in Berlin
Labyrinthartiges Holocaust-Mahnmal, bestehend aus 2.711 Stelen und einem unterirdischen Ausstellungsraum.