Erfahrungen mit einem Hybrid-PKW und Frage an das KBA

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Ende des Jahres 2009 war es für mich an der Zeit, dass ich mich für ein neues Auto entscheiden musste, da mein alter Honda Civic Aerodeck (1500 ccm/90 PS) bereits weit über 150.000 km gelaufen war und zunehmend anfälliger wurde. Am meisten beeinflusste meine Entscheidung zum Neukauf allerdings der Bedarf eines Ersatzfahrzeugs für meine Tochter, die gerade Zwillinge zur Welt gebracht hatte und auf der Suche nach einem Kombi für ihre nunmehr drei Kinder und einen Labrador war. Ich ließ daher zunächst meinen Honda wieder auf Vordermann bringen und bot ihn meiner Tochter an.

Parallel dazu schaute ich mich nach einem Nachfolger um, wobei mein Augenmerk auf einen Hybrid gerichtet war, ich aber auch ein Fahrzeug mit Dieselantrieb in Erwägung zog. Ich kontaktierte daher zunächst meinen bekannten Honda-Händler und fragte bei ihm an, welches Ersatzfahrzeug er mir anbieten könne? Mir wurden ein Civic Hybrid als auch Accord Diesel angeboten, allerdings überzeugten mich beide Fahrzeuge weder in den Verbrauchswerten noch mit ihrer Antriebstechnik. Zudem war der Honda Accord meiner Frau auch einfach zu groß.

Da ich seit über drei Jahrzehnten ein überzeugter Besitzer japanischer Autos bin, suchte ich in diesem Segment wieder nach einem Alternativfahrzeug und stieß auf Toyota (hatte 2009 nur ein Hybridmodell im Angebot) sowie Lexus, der Exklusivmarke von Toyota, die im Luxussegment entsprechende Fahrzeuge anboten. Da mein Budget beschränkt war und ich nicht über 30.000 Euro für einen Neuwagen ausgeben wollte, konzentrierte ich mich daher auf die Angebote, die meinem Budget entsprachen.

Nach umfangreichen Testfahrten mit einem Honda Civic Hybrid, einem Honda Accord Diesel und einem Toyota Prius, die ich im August/September 2009 durchgeführt habe, entschied ich mich schließlich für das neue Modell des Toyota Prius, dass im November 2009 in Europa auf den Markt kommen würde: den Prius III. Entscheidend war für mich dabei, dass das Platzangebot für bis zu vier Erwachsene ausreichend war, die Fahrleistung als gut bezeichnet werden konnte und das Preis-Leistungsverhältnis sich als akzeptabel darstellte.

Im September 2009 bestellte ich einen Prius III Executive mit Vollausstattung, da es ein Fahrzeug werden sollte, das ich vorhatte, lange zu fahren. Leider verschob sich der Liefertermin des Neufahrzeugs entgegen der Zusage in die 1. Woche des Jahres 2010. Der Vorteil war, dass ich das aktuellste Modell des Prius erhielt, da gerade ein Modellwechsel durchgeführt wurde.

Wer sich den damaligen Prospekt des Fahrzeugs anschaut, erhielt die Aussage, dass das Fahrzeug zwischen 3,8 und 4,0 l/100 km verbrauchen sollte, was einem kombinierten CO2-Ausstoß von 92-89 g/km entspricht (Richtlinie RL 80/1268/EWG).

Nachdem ich das Fahrzeug dann am 4. Januar 2010 übernehmen konnte, sollte ich, bevor ich die Verbrauchswerte beurteile, nach Händlerangaben erst einmal rund 1000 km Strecke zurücklegen. Das erfüllte ich relativ schnell und war mit dem erzielten Verbrauchsergebnis gar nicht zufrieden. Der Mittelwert belief sich auf 5,3 l/100 km und lag damit weit über 20 % über dem angegebenen Werten des Herstellers. Ich beanstandete das Ergebnis bei der ersten Inspektion und musste mir lapidar sagen lassen, dass das aber ein ganz normaler Verbrauchswert sei, der ja zudem weit unter den Werten anderer Fahrzeuge liegen würde. Ich solle doch bitte weiter verhalten fahren und den Verbrauch nach 5.000 km nochmals ermitteln. Dann könne man erst von einem „Normalwert“ sprechen, da das Fahrzeug dann eingefahren sei.

Mein Vertrauen in den Hersteller war noch nicht enttäuscht und somit ermittelte ich nach 5.000 km erneut den Verbrauchswert, der sich mittlerweile bei 5,4 l/100 km eingependelt hatte. Da ich noch weitere Mängel an meinem Fahrzeug festgestellt hatte, wie etwa Probleme mit der Geschwindigkeitsregelung (Cruise Control), dem Abstandsradar, der Freisprechanlage, dem Navigationssystem usw. schrieb ich parallel zur Abgabe meines Fahrzeugs zwecks Wartung beim Händler auch einen Brief an die Toyota-Zentrale, um dort nachzufragen, ob denn diese Menge der Mängel außergewöhnlich sei und wie man sich die hohen Verbrauchswerte erklären könne.

Die Reaktion seitens Toyota war eine Testfahrt zusammen mit einem Serviceingenieur des Herstellers und mir in einem Testfahrzeug von Toyota, mit der man mir verdeutlichen wollte, dass die von mir festgestellten „Probleme“ eigentlich keine wären, da sie auch bei anderen Fahrzeugen auftreten. Das musste ich auch leider feststellen, gab mich aber trotzdem nicht damit zufrieden, sondern bohrte weiter, um einen besseren Benzinverbrauchswert zu erreichen.

Lange Rede kurzer Sinn: Toyota war nicht in der Lage den Verbrauchswert auch nur in die Nähe der im Prospekt angegebenen zu bringen. Selbst wenn ich alleine im Fahrzeug saß, keine elektrischen Verbraucher im Fahrzeug eingeschaltet waren und es keine Außeneinflüsse wie etwa Regen, starker Wind und unebene bzw. ansteigende Fahrbahn gab, erreichte ich niemals den Wert von 3,8-3,7 l/100 km außerorts geschweige den die angegebenen Werte von 4,0-3,9 innerorts. Die Probleme mit dem Tempomat in Verbindung mit dem Radarsystem wurden mir dahingehend erklärt, dass es sich ja um ein Auto der unteren Mittelklasse handeln würde und das beides in der Premiumklasse Lexus bedeutend besser sei, da man dort mehr Wert auf Komfort und die Ansprüche der Kunden legen würde.

Ich fühlte mich irgendwie auf den Arm und nicht ernst genommen, arrangierte mich aber mit allem, fand sogenannte Workarounds und fahre das Fahrzeug noch heute, mittlerweile neun Jahre und 150.000 km Laufleistung alt. Ich bin ein zufriedener Prius-Fahrer geworden, der sich mit seinem Fahrzeug und dem Hersteller/Händler arrangiert hat. Der von mir über die gesamte Laufleistung ermittelte durchschnittliche Verbrauchswert liegt bei 5,3 l/100 km. Die besten Verbrauchswerte habe ich bisher nur auf Langstrecken erzielt, auf denen ich alleine unterwegs war, die Durchschnittsgeschwindigkeit nicht über 100 km/h lag und es sich um eine Tagfahrt handelte. Hier konnte ich 4,3 l/100 km erreichen, fühlte mich dabei aber immer als Verkehrshindernis, da um mich herum ALLE schneller unterwegs waren: Selbst die LKW fahren mitunter schneller.

Wieso ich das alles geschrieben habe, mag sich jetzt manch einer fragen. Zugegeben wollte ich etwas aufzeigen, dessen sich manch einer noch immer nicht bewusst ist. Es kann weniger mit seinem Fahrzeug verbraucht werden, wenn man vorausschauender unterwegs ist. Für einen Wagen mit 1,8 l Hubraum und einem akzeptablen Platzangebot sind es keine schlechten Verbrauchswerte. Jetzt habe ich aber letztes Wochenende im Auto-Motor-Teil des KStA einen Artikel gelesen, in dem man ankündigte, dass Mercedes jetzt einen neuen SUV für den Stadtverkehr auf den Markt gebracht hat, der einen CO2-Ausstoß von 225 g/km hat.

Meine Frage lautet hier: Wieso reden wir alle von Umweltschutz und Ökologie, Ressourcen freundlichem Einsatz von Energie und Stickoxydwerten, wenn die Automobil-Lobby es fertig bringt, dass das Kraftfahrtbundesamt einem solchen Fahrzeug die Zulassung für den Straßenverkehr gibt? Ich fühle mich als energiesparender Fahrer verhöhnt, wenn ich sehe, wie Eltern ihre Früchtchen damit in den Kindergarten bzw. zur Schule bringen. Bei uns schleicht sich auch langsam die US-amerikanische Aussage von Fahrerinnen und Fahrern ein: Wir sind in den SUV-Fahrzeugen sicherer!!!

Vielleicht sollten wir alle einmal darüber nachdenken, dass es sinnvoller wäre, seine Geschwindigkeit anzupassen, nicht über 120 km/h schnell zu fahren und die dicken Schlitten zu Hause zu lassen. Kleine Schritte führen auch dazu, dass wir unseren Kindern und Enkeln mehr zurücklassen können. Alle verteufeln den Dieselkraftstoff und das Benzin als Verursacher für den Schadstoffausstoß und die Feinstaubbelastung. Müsste nicht die Industrie sich gefordert sehen, um Fahrzeuge mit weniger Verbrauch und geringerem CO2- und NX-Ausstoß zu entwickeln und Reifen herzustellen, die weniger Abrieb haben? 

Ich hoffe, dass ich einen Denkanstoß geben konnte und würde mich freuen, wenn ich viele Kommentare lesen könnte.

 

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