Politische Bildungsfahrt vom 29.4.-2.5.19


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Wie bereits in meinem Blog berichtet, hatte ich mich darum beworben, Teilnehmer einer politischen Bildungsfahrt nach Berlin zu werden. Das Wahlkreisbüro von Katrin Werner (MdB) aus Trier, die als Vertreterin für Die Linke. Im Bundestag sitzt, hat sich bei mir gemeldet, mich eingeladen und mir die Unterlagen zugeschickt, da ich auch als Kölner Bürger an dieser Fahrt teilnehmen dürfe. Angesagt war eine Bildungsfahrt vom 29.4. bis 2.5.2019, die neben der Bahnfahrt auch das Hotel und die Verpflegung enthielt. Organisiert wurde das Arrangement durch den Besucherdienst des Bundespresseamtes.

Montag, der 29.4.

Ich war gespannt, was mich alles erwarten würde und machte mich am Reisetag gegen 12 Uhr auf den Weg zum Hauptbahnhof in Köln, wo ich dann zur Reisegruppe des Wahlkreises von Katrin Werner hinzustoßen konnte. Ich hatte keine Gesichter für die beiden Mitarbeiter (Duygu und Tom) von ihr, allerdings kurz nach meinem Ankommen am Bahnhof telefonischen Kontakt zu Tom, der mir die Fahrkarte übergeben wollte. Und wir erkannten uns sofort, auch wenn die Kontaktaufnahme eher zurückhaltend war, denn wer spricht schon gerne einen Unbekannten auf dem Bahnsteig an. Wenn aber jemand mit einem Klemmbrett unterwegs ist und sich dabei suchend umschaut, dann kann es nur jemand sein, der einen anderen sucht.

Nach dem Einsteigen in den ICE gab es eine kurze Einweisung mit dem Hinweis, dass wir alle bitte zu jeder Zeit und immer pünktlich sein sollten, da unser Zeitplan eng getaktet ist, verdeutlichte mir, dass die Reise entspannt und eher freundschaftlich unter Genossen ablaufen sollte. Im Zug fand ich meinen Platz und die Begrüßung der anderen Teilnehmer – eine Gruppe von etwa 45 Teilnehmern – war freundlich, aber distanziert, denn vielen kannten sich bereits durch die vorangegangene Zugfahrt von Trier nach Köln oder aber dadurch, dass sie aus dem gleichen Ort – entweder aus Trier oder der Nähe von Trier – kamen. Da ich einen Einzelsitzplatz gefunden hatte, konnte ich mich auf der fast fünfstündigen Zugfahrt etwas mit dem Programm auseinandersetzen und mich darauf vorbereiten, was ich gegebenenfalls der MdB an Fragen stellen wollte. Geplant war, dass wir am zweiten Tag zunächst eine Besichtigung des Plenarsaals und einen Vortrag über die Arbeit des Parlaments erhalten sollten. Danach war eine Diskussionsrunde mit der MdB im Reichstagsgebäude – im Fraktionssaal der Linken – vorgesehen.

Berliner Bären
Während der Zugfahrt bekam ich immer mehr das Gefühl, eigentlich Teilnehmer einer Kegelfahrt zu sein als mich auf einer politischen Bildungsreise zu befinden, denn einige der Teilnehmer sprachen dem Alkohol zu und waren unangenehm laut. Ich machte für mich das Beste aus der Zugreise und las mich in mein Thema ein. Angekommen in Berlin bestätigten mir auch andere Gruppenmitglieder, dass sie das Verhalten einiger als unangemessen betrachteten. Zudem erfuhr ich, dass es sogenannte Repeater gab, die die Reise als willkommene Abwechslung in ihrem Alltag sagen. Unseren „Kegelclub“ brachte ein bequemer Bus der BVB in unser Hotel, das sich zentral in unmittelbarer Nähe zum Kurfürstendamm (Ku’damm) und dem Savignyplatz befand. Die meisten von uns wurden im Boarding House des nH-Hotels untergebracht, dass sich unmittelbar neben der Bahntrasse

von ICE und S-Bahn befand. Oh Schreck, dachte ich, wurde aber eines besseren belehrt: Die Geräuschbelästigung durch vorbeifahrende Züge hielt sich in Grenzen und ich konnte mich daher damit abfinden, hier untergebracht zu sein. Wie sagt man doch gleich: Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul! Und das Bundespresseamt (BPA) muss ja auch mit seinem Budget haushalten, denn organisiert und finanziert wurde die Reise über dieses Amt.

Nachdem wir unsere Zimmer bezogen hatten, trafen wir uns zum gemeinsamen Abendessen, das wir in einem Restaurant am Savignyplatz einnahmen. Für jeden vorstellbar, wie schwer es ist, eine so große Gruppe in einem Restaurant zu bewirten, so gestaltete sich der weitere Ablauf des Abends. Die Gruppe mischte sich auf ein Neues und jeder fand einen neuen Tischnachbarn bzw. eine neue Tischnachbarin. Frau Werner war auch als Gastgeberin anwesend, fand aber leider nicht den Weg zu uns, in die äußerste Ecke des Restaurants, sodass eine erste Begrüßung durch sie für uns nicht stattfand, was für alle bei der Größe der Gruppe verständlich war. Nach dem gemeinsamen Essen hatten alle Gelegenheit, den weiteren Abend selbstständig zu gestalten. Wir verabredeten uns, dass wir uns um 8:30 Uhr am nächsten Morgen alle im Bus einfinden, damit der erste Programmpunkt pünktlich starten kann.

Dienstag, 30.4.2019

Nach einem perfekten Start des Tages mit einem ausgezeichneten Frühstück fanden wir uns um 8:30 Uhr alle (fast alle) im Bus wieder. Aufgrund eines Problems mit einer elektronischen Schlüsselkarte zum Zimmer verspäteten sich zwei Teilnehmern so sehr, dass wir erst mit 15 Minuten Verzögerung vom Hotel wegfahren konnten. Nun ist die Distanz zwischen dem ersten Ziel unseres Tages, dem Reichstagsgebäude und dem Hotel nicht so groß, als dass wir es nicht in-time zu unserem ersten Termin hätten schaffen können. Was aber niemand berücksichtigt und die Stadt Berlin auch nicht kommunizierte hatte, war der Umstand, dass die Straße des 17. Juni aufgrund der für den 1. Mai bevorstehenden Mai-Veranstaltungen bereits soweit gesperrt war, dass der gesamte Verkehr nur einspurig geführt werden konnte, was zu einem absoluten Verkehrschaos führte. Die Zeit lief uns davon und es wurde die Entscheidung gefällt, den ersten Programmpunkt „Besichtigung des Plenarsaals und Vortrag über die Aufgaben und die Arbeit des Parlaments“ ersatzlos zu streichen. Ärgerlich, aber leider nicht zu ändern. Vielleicht ergibt sich ja noch einmal für mich eine Gelegenheit, diese Besichtigung nachzuholen. Da ich von einigen Teilnehmern erfahren hatte, dass sie diese Bildungsfahrt bereits zum wiederholten Mal unternommen haben, besteht für mich noch Hoffnung.
Schließlich schaffte es der Bus aber bis ans Reichstagsgebäude und wir konnten durch die Sicherheitskontrollen am Eingang Zugang zum Gebäude erlangen. Sicherheit, Kontrollen, Warten, Durchleuchten, Durchsuchen … alles wie am Flughafen, ebenso gemächlich und geräuschlos. Endlich durch die Kontrollen durchgekommen und am Eingang des Reichstagsgebäudes angelangt, mussten wir erneut durch Sicherheitsschleusen, sodass die Zeit erneut knapp wurde, um unseren Termin mit der MdB um 10 Uhr pünktlich wahrnehmen zu können.

Plenarsaal des Deutschen Bundestages
Plenarsaal des Deutschen Bundestages

Endlich war es geschafft. Wir standen alle oberhalb des Plenarsaals, von wo aus man in den leeren Saal hineinschauen konnte, und wurden nun zum „Clara-Zetkin-Saal“, dem Fraktionssaal der Linken, geleitet, in dem die Diskussion mit dem MdB stattfinden würde.

Katrin Werner stellte sich und ihren politischen Werdegang zunächst kurz vor und erklärte im Anschluss daran, was ihre Aufgaben im derzeitigen Parlament und der Fraktion im Besonderen sind: Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Unterausschuss Bürgerschaftlichen Engagement, Kinderkommission sowie verschiedene Gremien, die sich unter anderem mit Europapolitik beschäftigen. Themen der rund 75 minütigen Diskussion betrafen Lokal- und Bundespolitik mit den Schwerpunkten ÖPNV, Familie, Schulen, Senioren und Jugend. Nach meinem Dafürhalten hätte dieser Teil unseres Besuches bedeutend länger dauern können, denn wir hätten uns alle noch weiter und intensiver mit ihr auseinandersetzen wollen. Mein persönlicher Eindruck von ihr ergab ein sehr positives Gesamtbild, gezeichnet durch Engagement und einer großen Schnittmenge an Gemeinsamkeiten in Wertstellung und Zukunftsausrichtung.

Im Anschluss an die Diskussion wurden wir alle für ein Gruppenfoto auf das Dach des Reichstagsgebäude gebeten, wo wir dann rund 20 Minuten diesen Teil des Gebäudes für uns selbstständig erkunden und besichtigen konnten. Aufgrund des herrlichen Sonnenscheins war der Blick über Berlin vom Dach des Gebäudes sehr schön. Jetzt beim Schreiben meines Blogs fällt mir ein, dass ich einen alten Super-8-Film mit dem Reichstagsgebäude


und dem Potsdamer Platz

in meinem Archiv habe, der aus dem Jahr 1971 stammt.

Eigentlich hatte ich nicht großes Verlangen diesen Ort wieder zu verlassen, aber das Mittagessen wartete bereits auf uns und wir sollten danach an einer Führung sowie einem Informationsgespräch im DeutschlandRadio teilnehmen, das bereits für 14 Uhr angesetzt war.

Das Funkhaus des DeutschlandRadio befindet sich im ehemaligen Gebäude des RIAS (Rundfunk im Amerikanischen Sektor), das heute unter Denkmalschutz steht, und sendet von dort drei Radioprogramme: den Deutschlandfunk mit Informationsprogramm und Qualitätsjournalismus zum Hinhören, Deutschlandfunk Kultur ist ein Kulturradio in einer modernen Form und Deutschlandfunk Nova ist das Wissensradio für alle, die besonders neugierig sind. Dieses Funkhausgebäude war ursprünglich einmal als Verwaltungsgebäude der IG Farben errichtet worden, die als Hersteller von Cyclon b traurige Geschichte machten, wurde aber nach dem Krieg mit Rundfunk-Equipment aus den USA ausgestattet. 1947 nahm dann RIAS den Sendebetrieb auf, der aber erst mit dem Fall der Mauer im Jahr 1989 überdacht wurde.

Unsere Gruppe wurde in zwei Teile geteilt, denen man zunächst eine Führung durch das RIAS-Gebäude und die DeutschlandRadio-Produktionsstätten gab. Nachdem

wir über die Art der Herstellung von Beiträgen (Wort, Gesang und Musik) informiert worden waren, zeigte man uns die Ü-Wagenhalle, wo ein kurzer Blick in einen 1,5 Millionen teuren Produktions-Ü-Wagen geboten wurde. Die sachkundige Mitarbeiterin gab uns eine Erklärung darüber, warum Rundfunkgebühren erforderlich sind und wofür sie eingesetzt werden. Nur etwa ein Euro monatlich kommt davon dem DeutschlandRadio zugute. Die genannten durchschnittlichen Rundfunk-Produktionskosten (zwischen 17.000 EUR bis 42.000 EUR) hören sich allerdings wie Peanuts an, wenn man dem gegenüber die TV-Produktionskosten eines Tatorts für die ARD stellt. Eine Folge des Tatorts kostet so viel, wie der große Ü-Wagen von DeutschlandRadio. Erstaunlich war für mich, dass sich auf Nachfrage in unserer Gruppe vier Hörer meldeten, die die Programme des Rundfunkanbieters täglich hörten, was eine sehr gute Quote für unsere Gruppe war.

3D-Ansicht des ehemaligen RIAS-Gebäudes, das heute das Funkhaus von DeutschlandRadio ist (Copyright Google Maps 2019)
3D-Ansicht des ehemaligen RIAS-Gebäudes, das heute das Funkhaus von DeutschlandRadio ist (©Copyright Google Maps 2019)

Leider konnten wir nicht die Herstellungsräume besichtigen, da während unseres Rundgangs eine aktuelle Produktion stattfand. Ebenso war es nicht möglich den Newsdesk zu erleben, denn die dort Arbeitenden sollten nicht gestört werden – und Fotos durften wir auch nicht machen, da die Persönlichkeitsrechte zu wahren waren.

Der Beruf des Geräuschemachers (Foley) ist leider nicht mehr beim DeutschlandRadio vertreten (Bild: Foley im MMZ Halle)
Der Beruf des Geräuschemachers (Foley) ist leider nicht mehr beim DeutschlandRadio vertreten (Bild: Foley im MMZ Halle)

Schade, denn genau das hätte einige aus unserer Gruppe sehr interessiert: Die Technik direkt zu sehen, diesbezügliche Fragen stellen zu dürfen usw. Auf Nachfrage wurde bestätigt, dass der Berufszweig des Geräuschemachers (Foley) seit 2008 obsolet sei. Im Zuge der Digitalisierung, die nicht nur die Aufzeichnungstechnik sondern auch Herstellungspraktiken tangiert, „würden viele Berufe verschwinden“.

Nach dem Rundgang gab es im ehemaligen „Studio 7“, dem heutigen Raum Dresden, auf der 4. Etage des alten RIAS-Gebäudes ein Informationsgespräch mit einem Redakteur. Er versuchte verständlich zu erklären, warum im Jahr 1990 der aus Staatsmitteln finanzierte Sender eigentlich nicht mehr hätte weiter betrieben werden dürfen, da sein ursprünglicher Auftrag – das Senden fürs Ausland – hinfällig war und er damit nicht mehr als legitim bezeichnet werden durfte. Durch einen neuen Staatsvertrag wurden dem Sender neue Lizenzrechte vergeben und damit ermöglicht, dass man heute aus zwei eigenständigen Funkhäusern in Berlin und Köln drei 24h-Vollprogramme ausstrahlen kann.

Fragen wie etwa „Wie entstehen Nachrichtensendungen?“ und „Wann wird UKW letztendlich ganz abgeschaltet?“ wurden seitens des Redakteurs versucht zu beantworten. Manche Antworten waren befriedigend und schlüssig, während andere – wie etwa die nach dem Abschalten von UKW – unbeantwortet weiterhin im Raum standen. Ich persönlich bekam den Eindruck, dass man mit diesem Informationsgespräch darstellen wollte, wieso man überhaupt diese beiden Funkhäuser noch betreibt und welche Existenzberechtigung sie neben den anderen Rundfunkanbietern in Deutschland haben.

Nach diesem Gespräch brachte uns der Bus wieder zurück in die Nähe der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche am Breitscheidplatz in Charlottenburg, wo wir in einer Urberliner Gaststätte unser gemeinsames Buffet mit Berliner Spezialitäten einnahmen.

Den Weg zurück zum Hotel gestaltete jeder selbstständig. Für mich eine willkommene Gelegenheit über den Kurfürstendamm zu schlendern und das „Besondere“ dieser Berliner Traditionsstraße zu genießen. Berlin ist immer eine Reise wert … und dieser Eindruck wurde bestätigt.

Mittwoch, 1. Mai 2019

Dieser Mittwoch war nicht etwa den Gewerkschaften und Maikundgebungen gewidmet. Nein, wir wurden als erstes zu einem Besuch mit Kurzführung ins Jüdische Museum Berlin in Kreuzberg eingeladen.

Links der eigentliche, alte Museumsbau und rechts das neue Ausstellungsgebäude von David Libeskind
Links der alte Museumsbau und rechts das neue Ausstellungsgebäude von David Libeskind: Gut zu erkennen ist die durchgehende Achse, die sich auf dem neuen Gebäude abzeichnet.                     (© Jüdisches Museum Berlin)

 

Die beiden Gebäude (Altbau und Libeskind-Bau) sind nur über einen unterirdischen Zugang verbunden. Dieser vermittelt dem Besucher das Gefühl, in eine andere, unbekannte Welt einzutreten. Wer immer das Gefühl hat, dass dieser Besuch etwas alltägliches wird, dem verdeutlicht die eigene Empfindung, dass es etwas Bedrückendes und Erschreckendes hat, sich durch diese Ausstellungsgänge und -hallen zu bewegen. Der Architekt Daniel Libeskind hat seinen Gebäudeentwurf Between the Lines (zwischen den Linien) genannt. Mittels der Achse der Kontinuität, die an einer hohen, zur Dauerausstellung führenden Treppe endet, der Achse des Exils und der Achse des Holocaust führt er die Besucher an drei unterschiedliche „Ziele“. Er bietet ihnen ein bewegendes Erleben von finalen Entscheidungen am Kreuzungspunkt der Achsen, des Eingesperrtseins im Holocaust-Turm und das, die Freiheit im Garten des Exils wiederzufinden. Ich persönlich war sehr beeindruckt und ergriffen von dem, was den

Im Holocaust-Turm des Jüdischen Museums in Berlin
Im Holocaust-Turm des Jüdischen Museums Berlin kann man die Angst, Panik und Hilflosigkeit eines Gefangenen/Internierten nachempfinden

Juden damals von dem Deutschen NS-Regime und den SS-/SA-Handlangern angetan worden ist. Nach meinen Besuchen in den Museen in Warschau, Breslau und Krakau eine nochmalige Verstärkung meiner Wut und Hilflosigkeit.

Die Achse des Exils führt in den Außenbereich auf eine quadratische Fläche, die unterhalb der Gartenoberfläche liegt. Die Sicht auf die Umgebung wird durch Betonmauern eingegrenzt und man erhält den Eindruck, dass alles um einen herum schief ist und dadurch er Eindruck entsteht, dass es verworfen aussieht. Auf dieser schrägen Freifläche stehen 49 Betonstelen (7 × 7 = 49 – die Zahl Sieben hat im Judentum eine besondere Stellung), die mit Erde gefüllt sowie mit Ölweiden bepflanzt sind und sechs Meter in die Höhe ragen. Man hat sich für diese Weiden entschieden, da Ölbäume, die in der jüdischen Tradition für Freude und Hoffnung symbolisieren, in unserem Klima nicht gedeihen würden. Die Zahl 49 bezieht sich auf das Gründungsjahr des Staates Israel (1948) und die 49. Stele in der Mitte repräsentiert Berlin. Die Anordnung des Garten des Exils soll auf die mangelnde Orientierung und Haltlosigkeit der Menschen verweisen, die aus Deutschland vertrieben wurden. Ich wurde dabei auch an die vielen Vertriebenen aus den ehemals deutschen Ostgebieten erinnert.

Wieder zurück im Gebäude gingen wir zurück auf der Achse der Kontinuität und bogen auf die Achse des Holocaust, um zum Holocaust-Turm zu gelangen, der an ihrem Ende lag. Man betrat einen fast total dunklen, turmähnlichen Raum, in dessen äußerster Spitze sich eine schlitzähnliche Öffnung nach Außen befand. Nach dem Schließen der Türe wurde es DUNKEL und Angstgefühle sowie bedrückende, Panikähnliche Empfindungen stellten sich ein. Ich konnte diesen Zustand nicht lange ertragen und begab mich wieder auf den Museumsgang, um mich mit anderen Gruppenmitgliedern über meine und ihre Empfindungen auszutauschen. So wie mir, erging es auch anderen: Gefühle der Hilflosigkeit und des Vergrabenseins reflektierten die meisten!

Aus dem Untergeschoss im Erdgeschoss angekommen, führte der Weg in die Ausstellung „A wie jüdisch„. Hier erfährt der Besucher etwas von Desintegration über Hummus bis hin zu Schabbat. Das hebräische Alef-bet (Alphabet) wird explizit für die Darstellung der jüdischen Gegenwart in Deutschland benutzt. Hier hätte ich Stunden verbringen können, aber leider drängte der nächste Programmpunkt unserer politischen Bildungsfahrt. Ich nutzte aber trotzdem noch die Gelegenheit und schaute mir einen der im Libeskind-Bau eingebauten Voids (Das sind leere Räume im Libeskind-Bau, die für die Abwesenheit der Juden in Deutschland stehen) – die Leerstelle des Gedenkens – an. Die hier aufgebaute Installation  „Schalechet“ (Gefallenes Laub) des israelischen Künstlers Menashe Kadishman, die beim Begehen eigene Klangwelten produziert, erinnert an die Opfer von Krieg und Gewalt und rief bei mir beklemmende Gefühle aus. Ich konnte und wollte diese Installation nicht betreten, obwohl es andere gedankenlos taten! Auf den 10.000 anonymen Gesichtern herumzulaufen, war für mich unvorstellbar.

Blick aus dem Museumsgarten auf den Altbau (rechts) und den Libeskind-Bau (links) des Jüdischen Museums in Berlin
Blick aus dem Museumsgarten auf den Altbau (rechts) und den Libeskind-Bau (links) des Jüdischen Museums Berlin

Nach diesem sehr bewegenden Museumsbesuch liefen wir die kurze Strecke bis zum Gelände der Stiftung „Topographie des Terrors„, das sich neben dem Martin-Gropius-Bau befindet und in unmittelbarer Nähe zum Abgeordnetenhaus des Landes Berlin liegt. Wir erhielten Gelegenheit uns die Ausstellung im Alleingang anzuschauen und diese auf uns wirken zu lassen.
Auf dem Gelände des Dokumentationszentrums befanden sich zwischen 1933 bis 1945 die wichtigsten Einrichtungen des NS-Verfolgungs- und Terrorapparates: Zentrale der Gestapo, Reichsführung-SS und der Sicherheitsdienst (SD) der SS sowie ab 1939 das Reichssicherheitshauptamt. Ich würde sagen: nach heutigem Verständnis die gesammelte Executive des NS-Regimes, dargestellt anhand der von ihnen europaweit verübten Verbrechen! Vieles von dem was gezeigt wurde, war für mich kein Neuland, allerdings war ich erschüttert zu erfahren, wie sich unsere Nachkriegspolitiker schuldig

gemacht haben, da sie Richtern, Anwälten, Geschäftsmännern und Staatsbediensteten mit nationalsozialistischem Hintergrund die Türen aufgehalten haben, damit diese zum „Wohle der Allgemeinheit“ wieder arbeiten durften. Hier hätte man objektiver und sensibler verfahren müssen, denn dieses Verhalten war ein Schlag ins Gesicht von all den Personen, die während der NS-Zeit verfolgt, eingesperrt und verurteilt worden waren. Wieso man diese Personen freigesprochen bzw. begnadigt hat, ist mir unverständlich. Wie viel Leid muss man erst einem anderen zufügen, bevor Politiker erkennen, dass ein solches Verhalten gesetzwidrig und damit strafbar ist? Ich möchte mich hier gar nicht weiter auslassen, sondern kann nur sagen, dass ich mich für die Taten der nationalsozialistischen Herren fremd schäme und es bedauerlich finde, dass viele von ihnen straffrei geblieben sind. Die meisten haben gute Pensionen bezogen und damit die aus russischer Gefangenschaft heimgekehrten Kriegsgefangenen verhöhnen können, denn diese erhielten – wenn überhaupt – nur kleine Kriegsversehrten-Renten.

Diese Topographie des Terrors-Ausstellung sollte sich jeder ansehen und im Anschluss daran mit anderen darüber diskutieren, damit das nie, nie wieder geschehen kann und wird. WIR DÜRFEN NIEMALS VERGESSEN!

Im Anschluss an diesen Exkurs in die Vergangenheit machten wir eine Stadtrundfahrt durch die Bundeshauptstadt, die sich an politischen Gesichtspunkten orientierte: Bebelplatz und die Bücherverbrennung (Bild), neues Stadtschloss (Berliner Schloss) und dessen zukünftige Nutzung, die East-Side-Galerie (Videoclip 1 und Videoclip 2) auf den noch stehenden Resten der Berliner Mauer, Zentrale des BND und Gedenkstätte Bernauer Straße (Videoclip und Bilder), wo wir ausstiegen und die besondere Atmosphäre dieses Ortes spüren konnten.

Bevor unsere Bildungsfahrt am 2. Mai morgens um 10:20 Uhr mit dem ICE wieder zurück nach Köln und Trier ging, gab es noch eine gemeinsame Rundfahrt auf einem Schiff der Stern und Kreis Schifffahrt, auf dem dann auch das Abendessen (leider nicht das, was erwartet wurde😯) serviert wurde. Im Anschluss an diese Rundfahrt hatten alle nochmals die Gelegenheit den Abend für sich zu nutzen und Berlin weiter zu entdecken. Ich nutze den Abend und sah mit eine Burlesque-Show an und ließ den Abend so entspannt ausklingen: Erotisch aber nicht vulgär, da sowohl die Tänzerinnen als auch der Tänzer schön anzusehen waren und eine perfekte Vorstellung mit Akrobatik, Gesang und Tanz boten. Andere wiederum machten die Nacht zum Tag und kamen erst morgens im 5:30 Uhr wieder zurück ins Hotel.

Adieu Berlin … auf ein baldiges Wiedersehen! Ein Dankeschön geht jeweils an das BPA für die Organisation, an das Wahlkreisbüro von Frau Werner für die Einladung zur Bildungsfahrt und an Frau Werner selbst.