Fridays for Future

Wohin geht die Reise?

Solange es noch solche Angebote gibt, die den Umweltschutz ignorieren, wird sich nichts ändern: Shame on you … (© Eurowings.com)

Heute war ich Zeuge einer Fridays for Future Demo die über die Straße Auf dem Berlich in Köln ging, die ich aus einer exponierten Lage heraus beobachten konnte, was mir einen etwas anderen Einblick gewährte – nicht auf Augenhöhe, sondern eher aus der Vogelperspektive.

Zunächst muss ich sagen, dass ich es sehr gut finde, dass sich junge Menschen dazu bereit erklären, den Offiziellen (Politikern, Lobbyisten, Großunternehmen usw.) zu zeigen, dass es mit ihrer Klimapolitik so nicht weitergehen kann. Bravo, denn ich stehe ganz auf der Seite der Demonstranten, verstehe aber nicht, wieso sie nicht während ihrer Demo mit gutem Beispiel vorangehen und Umweltschmutz/-dreck vermeiden. Ich spreche hier ein Thema an, dass mir heute besonders ins Auge stach und mich dazu anregte, über die Intentionen der TeilnehmerInnen nachzudenken.

Dass etwas geschehen muss, ist unstrittig. Ich persönlich trage meinen Teil zum Umweltschutz bei und fahre mit der Bahn, wo immer ich kann, nutze für die Warmwasserversorgung etwa drei Quadratmeter Vakuum-Solarzellen und fahre nur dann mit meinem neun Jahre alten Hybrid-Fahrzeug, wenn es sich wirklich nicht vermeiden lässt. Köln ist eine Stadt, in der man viel mit dem Fahrrad erledigen kann und auch sollte. Und dabei spreche ich im Besonderen den Mütter-/Väter-Individualverkehr des Schul-Shuttles an, die Sünde, mal eben zum Brötchen- bzw. Zeitungholen nur um die Ecke zu fahren bzw. um zum Sport zu kommen, den SUV mal kurz vorzuführen, damit auch jeder sehen kann, wie cool man ist und was man sich leisten kann. KÖNNEN WIR UNS DAS HEUTE NOCH LEISTEN?

Das Autofahren, wie wir es aus den 60er Jahren kennen, ist heute nicht mehr adäquat. Damals konnte man noch sagen, dass man für eine Strecke von 300 km rund drei Stunden Fahrzeit benötigte. Staus gab es ebenso wie heute, aber diese wurden nicht durch die Konsumkarawane verursacht, sondern eher durch einen Unfall bzw. eine Panne oder die enge der Fahrbahnen, denn den Luxus breiter, gut ausgebauter Autobahnen gab es damals nicht.

Genug der alten Weisheiten, die kein junger Mensch hören möchte. Was sie sich allerdings sagen lassen müssen, ist die Tatsache, dass bei einer Umweltdemonstration, bei der es um die Zukunft unseres Planeten geht, Getränkedosen aus Aluminium, Wegwerfbecher für Coffee2Go und Smartphones mit einer direkten Verbindung in die Cloud NICHT ZEITGEMÄß sind – von MCDonald-Speisen ganz zu schweigen. Und genau das konnte ich heute sehr gut beobachten. Zudem war in der Demo ein Musikbeschallungsfahrzeug, dass mit dumpfen Bass-Rhythmen versuchte, die Stimmung anzuheizen. LÄRM IST UMWELTSCHMUTZ und der wird zudem meist von partyfreudigen, jungen Menschen erzeugt, die der Meinung sind, dass das zum guten Ton gehören würde. Ein Dauer-Schallpegel über 65 dB ist gesundheitsschädlich und kann zu dauerhaften Beeinträchtigungen führen. Jedes Foto bzw. jeder Videoclip, der nicht auf dem Smartphone gespeichert wird, sondern bequem in die Cloud geladen wird, erzeugt Stromverbrauch, der benötigt wird, um den Speicherplatz auf den Serverfarmen der Rechenzentren von Google, Yahoo, Amazon, Apple, Microsoft und Co. bereitzustellen. Die Gesamtmenge des minütlich verbrauchten Stroms ist so hoch, dass man alleine dafür ein Atomkraftwerk benötigt, wenn man denn keine Wasserenergie bzw. Kohleenergie zur Stromerzeugung nutzt.

Daher mein Wunsch an alle Fridays for Future-Demonstranten: Fangt auch bei euch an und geht mit gutem Beispiel voran. Mancher – in euren Augen älterer Mitbürger – macht das schon, was euch auffallen könnte, wenn ihr euch bewusst umschaut. Solange wir aber noch immer für 24,99 EUR nach Kroatien oder anderswohin fliegen können, eine Kreuzfahrt zu unglaublich niedrigen Preisen angeboten wird, T-Shirts aus Billiglohnländern gekauft werden sowie Geiz einfach geil ist und wir das alles einfach hinnehmen, wird sich nichts ändern. WIR VERBRAUCHEN DIE WELT UND SEHEN ZU, WIE DAS GESCHIEHT.

Die größten Umweltsünden sind solche Flugpreise (© Eurowings.com)