Männer-Tour in der Sächsischen Schweiz

Blick von der Festung Königstein auf die Sächsisch-Böhmische Schweiz
Blick von der Festung Königstein auf die Sächsisch-Böhmische Schweiz

Bereits seit langem habe ich mir eine “Männer”-Tour mit meinen beiden älteren Enkelsöhnen und ihrem Vater (meinem Schwiegersohn) gewünscht. Im Jahr 2019 ist es nun endlich geschehen, denn die beiden Enkel sind jetzt so alt (10 und 13 Jahre), dass man mit ihnen Wandertouren zumuten kann. Ich lud die drei ein, mit mir die Böhmische und Sächsische Schweiz kennenzulernen und einige Erkundungen zu unternehmen, die ihnen eine neue, interessante Landschaft näherbringen soll.

Da ich dieses Gebiet bereits 2018 schon einmal alleine besucht und schätzen gelernt habe, machte ich es mir zur Aufgabe, unsere gemeinsame Reise im Voraus so zu planen, dass wir keine Probleme mit Unterkünften oder Besuchsorten haben würden. Ich suchte B&B-Unterkünfte in der Nähe zu den Zielen und fand die Pension Linde in Arnoltice nahe Hřensko (Tschechien) sowie Unterkünfte in Dresden und Meißen, die sich als für uns gut geeignet darstellten.

Tag 1

Mit dem Zug machte ich mich um 5:20 Uhr auf den Weg zum Wohnort meiner drei Männer, mit denen ich mich dann gemeinsam in Richtung Dresden und Hřensko (Tschechien) begab. Leider hatte die Deutsche Bahn schon einen Verspätungsalarm für meine Zugverbindung herausgegeben (das kenne ich leider nur zu gut … hier muss Abhilfe geschaffen werden), sodass meine Anreise etwas verspätet war. Bis Dresden mussten wir drei Stunden mit dem Autogas(LPG)-angetriebenen Auto fahren. Die Zeit wurde uns aber nicht lang, denn ich stellte meinen Begleitern die von mir ausgewählten Ziele vor. Es gab darüber keine Diskussion, denn bis zum Zeitpunkt, an dem wir uns zur gemeinsamen Fahrt trafen, hatten die beiden Jungs keinen Schimmer davon, wohin die Reise gehen würde und was diesmal an Aktivitäten geplant war. Das erste Etappenziel war das Prebischtor, das nur einige Kilometer von Hřensko entfernt liegt: Hinaufwandern, die Aussicht genießen und eine Zwischenmahlzeit zu uns nehmen. Die seit dem Jahr 1890 befahrene Kamnitzklamm plante ich erst am nächsten Tag zu besuchen.

Den Aufstieg zum Prebischtor starteten wir vom Felsenschlucht-Parkplatz aus. Unser Ziel lag etwa 3,5 km entfernt von uns und der Weg führte langsam ansteigend zunächst an einer Straße entlang. IMG_4767.jpgNach etwa 1,5 km kamen wir an der Abzweigung in die Berge an, wo uns ein Schild den Weg zum 2 km entfernten Prebischtor (Pravčická brána) wies. Etwa eine Stunde später kamen wir dort an und die Jungs bewunderten bereits während unseres Aufstiegs die Landschaft und Sandsteinformationen. Als sie dann aber endlich das Hotel Falkennest und das durch Witterung, Wind und Regen/Schnee entstandene Sandsteintor sahen, waren sie nicht mehr zu halten. Beide wollten die ersten am Ziel sein.

Wir erkundeten die Umgebung und stiegen weiter auf in Richtung der Aussichtsplattform auf der Sandsteinfelsformation hinter dem Hotel Falkennest, das aus dem Jahr 1881 stammt und ein Museum über den Nationalpark Böhmische Schweiz beherbergt. Die Aussicht war phänomenal und beeindruckte meine drei Männer sichtlich. Sie hätten sich so etwas nicht vorstellen können, wenn sie es nicht selbst gesehen hätten. Genau das hatte ich mir gewünscht, als ich auf die Idee kam, mit den Enkelkindern diese Reise zu unternehmen. Dass ich aber auch meinen Schwiegersohn beeindrucken konnte, das hätte ich nicht gedacht.

Unseren Abstieg genossen wir doppelt, denn die Mühe und den Schweiß des Aufstiegs konnten wir nun vergessen. Um viele Eindrücke reicher trafen wir rund 45 Minuten später wieder am Parkplatz ein. Die Fahrt von dort führte uns hinauf auf das Plateau des Sandsteingebirges zu unserer Pension, wo ich bereits unser Abendessen im Rahmen der Halbpension mit vorbestellt hatte. Obwohl ich bewusst meine Wanderschuhe während der gesamten Tour getragen habe, wollten die Enkelkinder mir nicht glauben, dass man diese benötigt und trugen nur ihre Sneekers. Ein Fehler, wie sich nach dem Abstieg herausstellte, denn es gab Blasen zu behandeln – vom zahlreichen Stolpern ganz zu schweigen.

Endlich um 19:30 Uhr in der Pension angekommen, wurden wir freundlich begrüßt und bekamen das Zimmer gezeigt. Das entsprach ganz unseren Vorstellungen und schnell war die Frage, wer mit wem und wo schläft beantwortet. Nachdem wir uns eingerichtet hatten, aßen wir zu Abend und begaben uns etwas später bereits zu Bett. Wir alle waren ermattet und konnten in den harten, aber trotzdem bequemen Betten direkt einschlafen.

Tag 2

Die Nacht war kurz, denn unser Zehnjähriger war bereits um sechs Uhr morgens wach. Trotzdem waren die beiden Jungs gnädig und ließen uns “alte” Männer noch bis acht Uhr schlafen. Dann hieß es aber frühstücken und uns wieder auf Entdeckungsreise zu begeben. Die erste Frage lautete natürlich, was wir heute machen würden. Meine zwei vorgeschlagenen Alternativen – das Felsentor Kuhstall oder die Kamnitzklamm – machten die Wahl leicht, denn sie entschieden sich alle schnell für die Bootsfahrt durch die Klamm. Anschließend wollten wir noch den Kuhstall einplanen, waren uns aber nicht sicher, ob die Zeit dafür ausreichen würde.

Zurück zum Felsenschlucht-Parkplatz lautete die Devise. Dort stellten wir den Wagen ab und überquerten die Brücke über die Kamnitz, um uns auf den Weg zur Klamm zu machen. Für die Strecke von etwa sieben Kilometern einschließlich der beiden Bootsfahrten durch die Kamnitz-  und Edmundsklamm und weiter bis zum Hotel Zámeček (Jagdschlösschen Hohenleipa) benötigten wir zweieinhalb Stunden, denn es waren rund 194 Höhenmeter zu überwinden. Die beiden Klammen auf dem Boot zu durchqueren war eine erfreuliche Angelegenheit, denn die Bootsführer, die mit ihren Staken für Vortrieb sorgen, kommentierten während der Fahrt die unterschiedlichen Felsformationen und boten damit für uns alle einen schönen Zeitvertreib und viel Freude.

Von der Edmundsklamm stiegen wir zum Hotel Zámeček auf und aßen sowie tranken dort etwas zu sehr günstigen Preisen, denn wir wollten uns auch ausruhen, um für den Rückweg Kraft zu sammeln. Während unseres Essens überlegten wir, was unser nächste Ziel an diesem Tag noch sein könnte, denn der Erkundungsdrang der Jungs war kaum zu bändigen. Ich schlug vor, dass wir nach Bad Schandau fahren, dort in die Kirnitschtalbahn steigen, um von der Endhaltestelle am Lichtenhainer Wasserfall aus den Aufstieg zum Kuhstall anzugehen. Wir machten uns auf den Rückweg, stiegen aber in den Bus in Richtung Hřensko ein, damit wir nicht die gesamte Strecke von 11,7 km über den Höhenweg zu Fuß zurück laufen mussten.

Zurück am Felsenschlucht-Parkplatz fuhren wir nach Bad Schandau und stiegen in die historische Straßenbahn, um anschließend den Anstieg zum Felsentor Kuhstall zu meistern. Nach etwa 45 Minuten bergauf wandern kamen wir am Ziel an. Auch dieser Ort faszinierte meine Enkeljungs und weckten ihren Erkundungsdrang. Nachdem mein Schwiegersohn und ich sie eingehend auf die Gefahren des Begehens von Sandstein-Felsformationen aufgeklärt hatten, machten wir uns bereit für den weiteren Aufstieg über die Himmelsleiter in Richtung Bergkuppe.

Die Spannung war während des Himmelsleiter-Aufstiegs unerträglich und es kribbelte überall, aber oben angekommen, wurden wir von einem unvergesslichen Ausblick belohnt. Nachdem wir die Aussicht genossen hatten stiegen wir ab, um die nähere Umgebung des Felsentors ausgiebig zu erkunden. Meine drei Begleiter konnten es gar nicht glauben, dass wir eine so schöne und überwältigende Landschaft in unserem Land haben. „Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah!“ (Goethe)

Der Abstieg zurück zur Straßenbahn dauerte nur knapp 30 Minuten, da uns der Gedanke ans Abendessen beschleunigte.

Wieder zurück in Bad Schandau war zum Abschluss unseres Wandertages noch ein Eis angesagt – einfach eine tolle Idee! Zurück in unserer Pension erfrischten wir uns zunächst, um anschließend im Aufenthaltsraum zu Abend zu essen. Mit einem Bier und Himbeerbrause ließen wir den Abend ausklingen und gingen wieder ermattet und selig früh zu Bett.

Tag 3

Es hieß Abschied nehmen von der Pension Linde und uns auf den Weg in Richtung Dresden zu machen, wo wir für die folgende Nacht Quartier beziehen wollten. Für diesen Tag hatte ich als Ziele die Festung Königstein, die Burg Stolpen und die Schrammsteine angedacht. Die Entscheidung fiel schnell für die Schrammsteine und gegen Adelsgeschichte, sodass die Festung und die Burg für einen anderen Besuch vorgemerkt werden mussten. Ich erklärte meinen Männern, was sie sich unter den Schrammsteinen vorzustellen haben und wir machten uns auf den Weg. Da die drei bisher den Grand Canyon nur aus dem TV bzw. Kino und Illustrierten kannten, waren sie skeptisch, dass wir etwas Vergleichbares hier vorfinden würden.

Leider war uns an diesem Wandertag das Wetter am Vormittag nicht mehr ganz so hold, wie an den Tagen zuvor und wir mussten unsere Tour durch die Sandsteine der Schrammsteine gegen 13 Uhr wegen Rutschgefahr abbrechen. Trotz dieser kleinen Enttäuschung hatten die Jungs aber so viel schon erleben können, dass sie dieses Ziel sicherlich noch einmal auf ihre Wunschliste stellen werden. Ich kann nur sagen: Ich werde dabei sein!

Auf dem Rückweg zum Auto hellte sich der Himmel wieder auf und wir planten einen Besuch der Bastei ein. Die Spannung stieg bei meinen Begleitern ins Unermessliche, denn wir fuhren auf der Sandsteinplatte des Elbsandsteingebirges und keiner konnte auch nur etwas von der Bastei oder anderen Felsformationen sehen. Am Ziel angekommen, hörte ich nur Wow und andere Bewunderungsrufe. Die Jungs waren begeistert. Wieder etwas, was sie sich in ihren kühnsten Träumen nicht vorgestellt hatten, hier bei uns in Deutschland zu finden.

Langsam war es an der Zeit sich auf den weiteren Weg nach Dresden – und damit wieder in Richtung Heimat – zu machen, denn wir mussten unsere B&B-Unterkunft noch finden und uns dort einrichten. Eine angedachte Kanutour auf der Elbe mussten wir aus Zeitgründen auf einen zukünftigen Besuch verschieben, denn dafür war es leider schon zu spät geworden.

In unserer Unterkunft angekommen, erfrischten wir uns zunächst etwas, um uns direkt im Anschluss auf die Suche nach einem Restaurant zu begeben, da wir diesmal keine Halbpension mitgebracht hatten. Die Empfehlung unserer Gastgeberin war ein Gasthaus (Erbgerichtsklause) am Elbufer, das wir zu Fuß ansteuerten. Mit sächsischen Spezialitäten wie etwa Quarkbällchen füllten wir unsere Bäuche und fielen danach ermattet in die Betten. Ein weiterer ereignisreicher war wie im Flug verstrichen und wir freuten uns auf den kommenden Tag in Dresden.

Tag 4

In der vergangenen Nacht gab es ein Gewitter, wie wir es lange nicht mehr erlebt hatten. Der Morgen war daher eher drückend schwül als freundlich und sonnig. Wir ließen uns aber den Tag nicht vermiesen, sondern machten uns nach einem ausgiebigen und genussvollen Frühstück auf den Weg zur Dresdener Parkeisenbahn, die von Kindern betrieben wird und deren Entstehung auf die Pioniere der ehemaligen FDJ-Jugend zurückgeht. Wir ließen uns durch den Großen Garten vorbei am Zoo Dresden und dem Carolaschlösschen fahren. Den heutigen Tag nutzten wir zur Entspannung, denn morgen sollte es wieder zurück gehen. Nach der Bahnfahrt entschlossen wir uns spontan noch zu einer Bootsfahrt auf dem Carolasee, die uns allen Spaß machte, auch wenn die Boote leider nicht wirklich zum Rudern geeignet waren, denn irgendwie waren immer unsere Beine im Weg, wenn wir die Ruder bewegten.

Als Abschluss unseres Besuches in Dresden schlug ich eine Besichtigungstour der Gläsernen Manufaktur vor, wo wir die Produktionsstraße des e-Golf und dessen Herstellung gezeigt bekamen. Leider durften wir dort keine Bilder machen, was für Technikbegeisterte ein Wermutstropfen ist. Die Jungs waren aber trotzdem begeistert und die anschließende frei zugängliche Hands-on-Tour im Foyer der Manufaktur rundeten diesen Besuch mit einer Virtual-Reality-Fahrt (VR) in einem fahrerlosen Automobil ab.

Da der Aufenthalt in Dresden länger war als geplant, kamen wir in Meißen leider zu spät an, um der Albrechtsburg noch einen Besuch abzustatten. Wir hatten uns darauf gefreut, etwas mehr über die Geschichte von Sachsen zu erfahren und die am besten erhaltene Burg Deutschlands sehen zu können, aber wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Somit haben wir einen weiteren Besichtigungsort für eine zukünftige Fahrt in die Sächsische Schweiz auf unsere Liste gesetzt.

Wir bezogen unser B&B-Quartier, machten es uns bequem und gingen in die Stadt zurück, um zu Abend zu essen. Auch dieser ereignisreiche Tag fand ein Ende, über das wir alle glücklich waren.

Tag 5

Heute heißt es Abschied nehmen und die Rückreise antreten. In einer kleinen Bäckerei frühstückten wir, da wir in unserer Unterkunft leider kein Frühstück angeboten bekamen. Das machte uns aber nichts aus, denn der Service der Bäckerei-Fachangestellten war vorzüglich, sodass wir anschließend gestärkt unsere Reise antraten.

Meine Rückreise mit der Bahn verlief sehr anstrengend, da man meinen ICE gestrichen hatte. Eine direkte Ersatzverbindung musste ich mir im Reisezentrum heraussuchen lassen, da ich ansonsten keinen festen Sitzplatz bekommen hätte. Ich fuhr dann rund 20 Minuten vor meiner eigentlich geplanten Zeit wieder zurück nach Köln, wo ich etwa um Mitternacht endlich wieder ankam.

Rückblickend kann ich sagen, dass diese Reise sehr schön und dabei preiswert war. Insgesamt habe ich für uns alle einschließlich aller Eintrittsgelder, der Mahlzeiten und Übernachtungen sowie aller Nebenkosten – wie etwa mein Bahnticket und das Gas für den PKW – keine 600 EUR ausgegeben. Ich freue mich schon auf eine Wiederholung mit alten und neuen Zielen. Bis dahin …

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