Guernsey entdecken – Teil 2

Blick vom Klippenweg bei Jerbourg auf die Südküste von Guernsey
Blick vom Klippenweg bei Jerbourg auf die Südküste von Guernsey

Nach einer entspannten ersten Nacht auf Guernsey wurde ich vom Geruch frischen Toasts und Kaffee geweckt. Ich entspanne im Urlaub immer so sehr, sodass ich nicht vor 9:30 Uhr zum Frühstücken gehe. Aus dem Frühstücksraum hörte ich aber schon Stimmen. Offensichtlich waren die anderen Gäste bereits zusammengekommen.

Meine Gastgeber empfingen mich mit der gleichen Freundlichkeit, wie am ersten Tag. Schnell entwickelte sich zwischen uns Gästen ein Gespräch, in dem zum einen über sehenswerte Ziele und zum anderen über Aktivitäten gesprochen wurde. Ich wollte erst einmal St. Peter Port erkunden und einem Open Garden (Privatgrundstück, das für die Öffentlichkeit nur an diesem Tag zugänglich ist) einen Besuch abstatten. Draußen waren etwa 16 °C und der Himmel bedeckt. Es zeigte sich zwar zeitweise die Sonne, das machte aber keinen großen Unterschied: Die Temperatur war sehr angenehm und lud zum Wandern ein.

Nach rund einer Stunde gelangte ich in St. Peter Port zum Candie Gardens, der mit einem im viktorianisch gehaltenen Café zu einer Rast mit Blick auf die Victor-Hugo-Statue (er lebte einige Zeit auf der Insel), zum Besuch des Guernsey Museums und im Park selbst zum Verweilen einlud. Da die Insel im Golfstrom liegt, ist das Klima recht mild und fördert dadurch die Pflanzenvielfalt und das Wachstum. Neben bekannten subtropischen Gewächsen wuchsen Blumen in der Parkanlage, die mir gänzlich unbekannt waren.

 

Mein Weg führte mich weiter bergabwärts zum Hafen, wo ich meinen ersten Rundgang durch die Stadt fortsetzte. Ich könnte jetzt sagen, wer bereits auf Jersey war, kennt schon alles. Weit gefehlt: Der Charme ist zwar ähnlich wie in Saint Hellier, aber die Stadt lebt doch sehr vom Yacht-Hafen und den Tagesgästen, die aus Frankreich bzw. England auf die Insel kommen. Beachtlich sind auch die Gezeiten mit Tiden-Hüben, die bis zu neun Meter Unterschied haben können.

 

Langsam machte ich mich wieder auf den Rückweg zum La Roche, da es Zeit zum Abendessen war und ich mich noch umziehen wollte, denn ich hatte einen Tisch im The Lobster & Grill reserviert, einem Restaurant, das mir empfohlen wurde. Da es nur etwa 1,2 km entfernt war, beschloss ich auch dorthin zu laufen, denn Bewegung tut gut – ganz besonders in der herrlichen Luft von Guernsey. Ich ließ mir Sea Bass (Seebarsch) zusammen mit einem guten Weißwein munden und machte mich gesättigt wieder auf den Rückweg zum Guesthouse.

Adventure Cycles lieferte mir das e-Bike, auf das ich mich schon gefreut hatte, denn die Steigungen sind auf der Insel nicht unerheblich. Nach einer kurzen Einweisung (e-Bike mit Automatic) machte ich mich auch gleich auf die erste Erkundungstour in Richtung Südküste vorbei am Doyle Monument nach Jerbourg Point, da man mir gesagt hat, dass es hier einen wunderschönen Cliff Path um das Headland herum gibt, der um die Spitze dieser Landschaft herumführt.

Als ich am Jerbourg Point ankam, war mir durch eigenes Erleben bewusst geworden, wie eng doch die Straßen auf Guernsey sind. Ungeübten Radfahrern empfehle ich daher nicht, auf der Kanalinsel mit dem Rad unterwegs zu sein, denn die Straßen sind extrem eng. Oftmals denkt man sich, dass es sich doch um eine Einbahnstraße handeln müsse, aber nein, es war eine schmale Straße mit Gegenverkehr. Wie gesagt: Guernsey Roads are narrow – no doubt about it!

Nach meinem Wanderausflug über den Cliff Path, wo man noch viele Bunker aus dem WWII sehen kann, stieg ich noch kurz zum Jerbourg Point und ans Wasser des Ärmelkanals hinab. Die Ruhe der Landschaft war belebend und ich genoss es, dass dieser Teil der Insel nicht mit Touristen überflutet war. Nach einem frischen, leckeren Guernsey-Eis, das ich mir am Kiosk auf dem Parkplatz am Jerbourg Hotel besorgte, fuhr ich zum Le Friquet Garden Centre, dem größten Gartencenter der Insel, da ich sehen wollte, ob es sich lohnt, hier vielleicht etwas außergewöhnliches einzukaufen. Im Gartencenter wurde von Damenmode, über Möbel und Accessoires bis hin zu Blumen so ziemlich alles angeboten, was man für “My home is my Castle” so braucht. Vorzüglich und preislich sehr akzeptabel ist aber das Restaurant. Nachdem ich hier einen Scone mit Clotted Cream, Strawberry Jam und Assam-Tee genossen hatte, machte ich mich wieder auf den Heimweg.

1A3FF997-67B5-4B19-A989-AA24B6CEE21D
Scone mit Guernseybutter und Erdbeermarmelade

Der Akku des e-Bikes zeigte noch etwa 15 % Restladung an, als ich wieder im La Roche angekommen war. Nach einer Gesamtstrecke von rund 20 Meilen eigentlich eine sehr schlechte Ökobilanz, denn ich hatte erwartet, dass ich mit einer Ladung rund 50 Meilen hätte zurücklegen können. Wie das aber immer mit Leihgeräten so ist: Man bekommt etwas versprochen, was nicht immer zwingend gehalten werden kann. Ich habe ja bereits einschlägige Erfahrungen mit einem e-Bike hinter mir, sodass ich hier nur darauf verweisen möchte.

Wie aber schon erwähnt, möchte ich nochmals meinen Warnhinweis zum Thema Radfahren auf Guernsey wiederholen: Da die Straßen sehr eng sind und die Auto-/Motorradfahrer relativ schnell (die maximal zulässige Geschwindigkeit beträgt 35 Meilen/Stunde) unterwegs sind, kann es schnell zu gefährlichen Situationen kommen. Aufgrund dessen entschied ich mich nach vier Tagen dazu, mein e-Bike wieder zurückzugeben und die Miete zu beenden. Die Tagesmiete von 20 GGP ist vergleichbar mit dem Tagessatz für einen kleinen Mietwagen, wenn man ihn für eine Woche oder länger bucht. Allerdings ist man im PKW doch geschützter unterwegs. Ein Manko beim Auto ist allerdings, dass man stets Parkplätze suchen muss – und das Parken ist nicht preiswert.

IMG_7762
Busse dürfen auf Guernsey nur maximal 25 mph fahren

Ich entschied mich also dafür, ab sofort nur noch mit einem Taxi oder Bus unterwegs zu sein, wenn ich nicht mehr Wandern möchte. Eine einfache Fahrt mit dem Bus kostet von A nach B – ungeachtet der Streckenlänge – ein Guernsey-Pfund. Das Geld sollte man immer passend haben, da die BusfahrerInnen nur begrenztes Wechselgeld zur Verfügung haben. Man kann sich auch eine Karte mit Guthaben oder Mehrfachfahrkarte (Puffinpass) kaufen, mit der man dann im Bus seinen Fahrschein direkt von dieser Guthabenkarte abbuchen kann bzw. die Einzelfahrt einlöst. Möchte man mit dem Bus eine Inselrundfahrt machen, so muss man am Informationsstand im Hafen von St. Peter Port eine Tagesfahrkarte für fünf GGP erwerben. Mit dieser kann man dann den ganzen Tag beliebig viele Fahrten unternehmen und diese auch an jedem Ort unterbrechen. Ich habe das häufig genutzt, denn nach der fünften Teilstrecke war man bereits im Profitbereich angekommen. Mit einem 20-GGP-Geldschein unterwegs zu sein, ist als leichtsinnig zu bezeichnen, denn damit kann einem auch schon einmal die Beförderung verweigert werden. Das Taxifahren ist im Vergleich zu uns in Deutschland teurer. Für eine Strecke von nur zwei Meilen kommen schnell zwölf GGP zusammen.