Zika-Virus in Frankreich angekommen

Infektionsrisiko jedoch weiterhin sehr gering

Im südfranzösischen Hyères ist eine Frau an Zika erkrankt, die sich aller Wahrscheinlichkeit nach vor Ort über einen Mückenstich mit dem Virus infiziert hat. Das meldet das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC). Das Virus kommt üblicherweise nur in tropischen Gebieten vor und ist hauptsächlich in Afrika, Asien und Südamerika verbreitet. In Europa registrierte Zika-Infektionen standen bislang ausschließlich mit Reisen in diese Endemiegebiete in Zusammenhang – entweder waren Reiserückkehrer selbst betroffen, oder sie hatten ihre Sexualpartner mit dem eingeschleppten Virus infiziert. Sollte sich der Verdacht aus Südfrankreich bestätigen, wäre das die erste autochthone Zika-Infektion in Europa. Das Risiko für eine weitere Ausbreitung des Virus und die Gefahr damit einhergehender Fehlbildungen bei Ungeborenen sind jedoch weiterhin minimal, teilen Experten des CRM Centrum für Reisemedizin mit.

Die Patientin aus Hyères war bereits im Sommer erkrankt und ist mittlerweile wieder vollständig genesen. Blutuntersuchungen ergaben im Nachhinein, dass sie eine Zika-Infektion durchgemacht hatte. „Das Besondere an diesem Fall ist, dass die Patientin nicht im Ausland war und auch keinen Sexualkontakt zu Reiserückkehrern hatte“, sagt Professor Dr. med. Tomas Jelinek, Wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reisemedizin. Auch seien keine weiteren Zika-Fälle in der Umgebung bekannt. Das ECDC geht daher davon aus, dass das Virus vor Ort von einer Mücke übertragen wurde.

Die hauptsächliche Überträgerart Aedes aegypti, die Ägyptische Tigermücke oder Gelbfiebermücke, kommt in Südfrankreich zwar nicht vor, allerdings kann das Virus bei hohen Temperaturen auch von der nahe verwandten Art Aedes albopictus, der Asiatischen Tigermücke, übertragen werden. Diese ursprünglich ebenfalls tropische Mückenart hat sich in den letzten Jahren in Südfrankreich etabliert und ist auch bis nach Süddeutschland vorgedrungen. Eine Zika-Übertragung durch Aedes albopictus, wie sie nun in Hyères offenbar stattgefunden hat, bezeichnet das ECDC daher als „nicht unerwartet“. Da bislang keine weiteren Zika-Fälle in der Region bekannt sind und angesichts der mittlerweile herbstlichen Temperaturen sei das Infektionsrisiko derzeit jedoch als sehr gering einzuschätzen.

Eine Zika-Infektion verläuft bei Menschen ohne Vorerkrankung in aller Regel harmlos, in vielen Fällen sogar unbemerkt. Als häufigste Symptome treten leichtes Fieber, Gelenkschmerzen, ein knotig-fleckiger Hautausschlag und eine Bindehautentzündung auf. „Eine seltene Komplikation ist das sogenannte Guillain-Barré-Syndrom, bei dem es zu Lähmungen kommt, die jedoch meist reversibel sind“, erläutert Jelinek. Die gravierendsten Folgen hat eine Zika-Infektion für Ungeborene, deren Mütter sich mit dem Virus angesteckt haben. Sie haben ein deutlich erhöhtes Risiko für eine sogenannte Mikrozephalie – eine schwerwiegende Entwicklungsstörung des Gehirns, die mit einem verringerten Kopfumfang und mehr oder weniger ausgeprägter geistiger Behinderung einhergeht.

Gegen eine Zika-Infektion gibt es bislang weder eine Impfung, noch eine wirksame Therapie. „Der wirksamste Schutz vor der Infektion und möglichen Komplikationen besteht daher in der Vermeidung von Mückenstichen“, sagt Jelinek. Da die Aedes-Mücken vorwiegend tagaktiv sind, rät der Tropenmediziner zu heller, langer Kleidung, die nur lose auf der Haut aufliegt. Nicht bedeckte Hautpartien sollten mit Repellents geschützt werden. Als mechanische Barriere empfiehlt Jelinek zudem Moskitonetze vor den Fenstern oder über dem Bett. „Diese Maßnahmen schützen nicht nur vor Zika, sondern auch vor anderen Krankheitserregern, die über Aedes-Mücken übertragen werden können“, betont er.

Quellen:
Info-Seite des RKI zu Zikavirus-Infektionen
Meldung des ECDC zum aktuellen Zika-Fall in Frankreich
FAQs zu Zika auf der Seite des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin, Hamburg
Zum aktuellen Fall (französische Tageszeitung)

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