Straßburg und seine Geschichte


Wer sich für diese Stadt und die Region Elsass interessiert, wird schnell erkennen, dass die letzten 150 Jahre durch viel Veränderung geprägt waren. Bis 1870 war Straßburg unter französischer Verwaltung, was sich aber nach dem deutsch-französischen Krieg änderte. Der im Januar 1871 zum Kaiser proklamierte Wilhelm I. wollte aus dieser Stadt eine neue Verwaltungsmetropole für Elsass-Lothringen machen und erweiterte sie durch zahlreiche Bauten wie etwa die Universität und den Parc de L’Orangerie, der für die Bürger zu einem Ort der Entspannung und Erquickung wurde. Man musste zu dieser Zeit in der Stadt deutsch sprechen und die Straßennamen wurden umbenannt. Diese „deutsche Zeit“ wurde mit dem Ende des 1. Weltkriegs beendet, woraufhin die Stadt wieder unter französische Verwaltung gestellt wurde und ein französisches Erscheinungs- und Kulturbild bekam. Die französische Sprache kehrte zurück und das Savoir-vivre war wieder an der Tagesordnung.

Leider wurde mit dem Einmarsch deutscher Truppen während des WWII dem wieder ein Ende gemacht, Deutsch wurde zur Landessprache erklärt und das Sprechen der französischen Sprache unter Strafe gestellt. Wer das liest und mehr darüber erfahren möchte, muss sich intensiver mit dem Elsass und Straßburg auseinandersetzen, denn das würde mich hier in meinem Blog zu sehr an geschichtliche Fakten binden, die man anderswo besser und detaillierter finden kann. Das Thema möchte ich hier damit abschließen, dass mit der Kapitulation der Deutschen Wehrmacht 1945 wieder „Normalität“ in Straßburg einkehrte. Wenn ich hier von dieser spreche, so meine ich die französische Kultur, französische Sprache und andere Werte, die man den Menschen hier genommen hatte, kehrten wieder zurück. Ich kann nachvollziehen, was es für die Menschen bedeutet haben muss, ihre Identität zu verlieren und gezwungen worden zu sein, eine andere Gesellschaftsform annehmen zu müssen. Bei meinem Besuch habe ich von Ressentiments gegenüber Deutschen nichts spüren können. Da ich bereits seit vielen Jahren wieder Urlaub in Frankreich mache und mein Schulfranzösisch nicht mehr ganz so eingerostet ist, habe ich keine Kommunikationsprobleme erfahren müssen. Anderen erging es anders, sodass ich sagen muss, dass es höflich ist, seine eigene Muttersprache in den Hintergrund zu stellen und die Sprache des Gastlandes zu nutzen. Damit lassen sich viele Türen öffnen.

Straßburg ist für mich eine lebendige Metropole, in der viele Studenten und Nationalität zu Hause sind. Fast an jeder Ecke wird elsässisch gesprochen, die französische Lebensart gelebt und entspannt miteinander umgegangen. Der Europarat und das Europaparlament brachten Wohlstand und eine gewisse Exklusivität, die überall in der Stadt zu spüren ist. Im Stadtkern hat man das mittelalterliche Erscheinungsbild gepflegt und vieles im alten Stil wieder aufgebaut. Alte Gerberhäuser stehen im Stadtteil La Petite France neben neuen Gebäuden, die dem alten Baustil nachempfunden sind und ein ähnliches Erscheinungsbild haben. Obwohl es bei meinem Besuch regnete, konnte ich den Flair dieser Stadt aufnehmen und genießen. Überall gibt es kleine Bäckereien und Lokale, die zum Verweilen einladen. Wer diese Region und die Stadt besucht und nicht die deftige elsässische Kost kennenlernt, der hat wirklich etwas versäumt: Ich bekam das Gefühl, dass jedes Tier bis zum letzten kleinen Stückchen verarbeitet und gegessen wird: Oftmals für mich nicht als kulinarischer Genuss ersichtlich, aber von den Menschen vor Ort geliebt und genossen. Das Stadtzentrum um das Straßburger Münster herum lädt zum Flanieren und Erkunden ein, denn hier werden alte Werte neu gelebt. Mein Stadtrundgang wurde ergänzt mit einer Bootsfahrt um den alten Stadtkern herum. So wurde der Anblick der Stadt auf eine andere Ebene gebracht und die Eindrücke gefestigt. Ich empfehle diese Bootstour, denn die Informationen, die man dabei erhält, sind umfassend.

Ich empfehle jedem Besucher, sein Auto vor der Stadt stehen zu lassen. Die Bewohner von Straßburg nutzen den ÖPVN in einer Weise, die ich aus keiner deutschen Stadt so kenne. Zu jeder Tages- und Nachtzeit sind die Bahnen gut gefüllt und verkehren in kurzen Zeitabständen. Als Ortsfremder findet man sich mit dem Bus-/Bahnsystem schnell zurecht und kann die unterschiedlichen Fahrscheinangebote nutzen. Was mich bei meinem Besuch eher beruhigte als verunsicherte, war die Präsenz von Sicherheitskräften (Polizei, Militär und andere). Dadurch fühlte ich mich weder bedroht noch verängstigt, sondern eher erhielt ich das Empfinden, gut behütet zu sein. Aber das sieht leider jeder anders und verhält sich auch dementsprechend.

Das war mein zweiter Besuch der Stadt im Elsass, allerdings mit Sicherheit nicht der letzte, denn hier wird noch so viel mehr geboten als das, was ich hier beschrieben habe.

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