Urlaub an der Ostseeküste


Im Gespräch mit einer Bekannten fiel der Satz „… machen wir eine Woche Urlaub an der polnischen Ostseeküste für knapp 200 EUR!“ Auf Nachfrage wurde mir bestätigt, dass es sich dabei um den Halbpensionspreis einschließlich täglich drei Behandlungen handelt. Ich konnte es gar nicht glauben, dass so etwas machbar und dabei auch noch „ertragbar“ ist.

Nachdem ich den Link zum Kurhotel erhalten hatte, durchstöberte ich die Webseiten und informierte mich ausgiebig über das Angebot und die damit verbundenen Preise. Eine Woche würden mich nach der Preisliste rund 280 EUR/Woche einschließlich Vollpension und täglich drei Behandlungen kosten. Ich fand das Angebot unschlagbar günstig, entschied mich aber für nur eine Woche inklusive Halbpension (ich kann gut mit zwei Mahlzeiten pro Tag auskommen) und drei Behandlungen (Sprudelbad, Hydromassage und Rotlicht) für 220 EUR. Im August bezahlte ich mein Entgelt für den Aufenthalt vom 30.11.-7.12.2019, allerdings noch immer im Zweifel, welche zusätzlichen Kosten wohl noch auf mich zukommen würden.

Aus NRW beträgt die einfache Entfernung nach Dzwirzyno bei Kołobrzeg (Kolberg, Polen) rund 870 km. Zu viel um diese Distanz alleine in einem Anlauf zu bewältigen. Daher organisierte ich mir über AirBnB jeweils auf der Hin- und Rückfahrt eine Übernachtung. Auf der Hinfahrt führte mich mein Weg über Caputh, wo einst Einstein lebte, in ein schönes Holzhaus. Hier war das Angebot sogar mit einem Frühstück gekoppelt, was bei AirBnB nicht immer der Fall ist. Ich machte mich dann ausgeruht auf, um die letzten rund 350 km zu bewältigen. Auf der Rückreise schlief ich eine Nacht in Kladow an der Havel: einfach, aber für den Zweck ausreichend.

Das Kartenmaterial meines im Prius eingebauten Navis ist für Deutschland aktuell, allerdings musste ich feststellen, dass die Straßen, über die ich in Polen geführt wurde, nicht immer den Qualitätsansprüchen deutscher Straßen entsprachen. Die letzten rund 12 km wurde ich über Feldwege geführt, bei denen ich oftmals den Eindruck hatte, dass sie gar nicht für den regulären Straßenverkehr zugelassen sind. Dieser Teil meiner Fahrt war abenteuerlich und ich machte mir zeitweise Gedanken um den Zustand meines Autos. Schließlich gelangte ich zum Kurhotel in Dzwirzyno, das von außen einen sehr gepflegten Eindruck machte. Ich parkte meinen Wagen auf dem bewachten, hoteleigenen Parkplatz (7 EUR/Tag) und bezog mein Doppelzimmer zur Einzelnutzung in der zweiten Etage.

Die Empfangsdame sprach deutsch und erklärte mir kurz, worauf ich im Hotel zu achten habe und wo sowie zu welchen Zeiten die Mahlzeiten eingenommen werden können. Ich bin in einem Hotel angekommen, das zwar als Reha-Einrichtung genutzt wird, aber ansonsten alle Annehmlichkeiten eines 3* Hotels bietet: Zwei Schwimmbecken, Whirlpool, Sauna und Fitnessraum.

Das Zimmer war einfach, aber sauber und bot alles, was ich mir gewünscht habe: Duschkabine, Heizung, Einzelbetten und ausreichend Platz, um es mir gemütlich zu machen. Ich richtete mich ein und unternahm anschließend einen ersten Spaziergang an der Ostseeküste, die nur rund 400 m vom Hotel entfernt ist. Ich genoß die gute Luft und ließ den Tag ausklingen. Im nahegelegenen Tante-Emma-Laden deckte ich mich mit Wasser ein und kaufte (vorsorglich) kleine Trostpflaster (polnische Schokoladen-Bonbons). Wieder zurück im Hotel, begab ich mich in den Speisesaal. Das Abendessen wurde in Buffet-Form gereicht und war abwechslungsreich. Angefangen bei Fisch (Sprotten, Makrele, Rollmops) über Fleisch bis hin zu Wurst und Käse wurde kalt und warm alles geboten, was man zum Sattwerden braucht. Ich genoß das polnische Abendessen und „freute“ mich auf die erste Nacht, denn neue Betten sind oftmals gewöhnungsbedürftig. Diese erste Nacht war angenehm ruhig und geweckt wurde ich von einem herrlichen Sonnenaufgang, den ich von meinem Balkon sehen konnte. Soweit war ich sehr zufrieden mit allem, was mir geboten wurde.

Am nächsten Tag bekam ich nach einer kurzen Konsultation des Kurarztes meinen Behandlungsplan ausgehändigt. Die von mir gewünschten Behandlungen waren alle eingetragen. Gleich am Montagmorgen sollten die Behandlungen beginnen.

Der Behandlungsraum war zweckmäßig eingerichtet und die Behandlerin/Therapeutin sprach auch deutsch. Zunächst hatte ich befürchtet, dass es mir genauso wie in Marienbad (Tschechien) ergehen würde und niemand deutsch sprechen würde. Aber diese Befürchtung trat nicht ein. Meinem Rücken taten alle Behandlungen gut und ich hatte, obwohl ich in einem ungewohnten Bett schlief und lange im Auto gesessen habe, keine Rückenprobleme bekommen. Nach dem ersten Anwendungstag ruhte ich mich etwa eine halbe Stunde aus, bevor ich zum Mittagessen in die Fischbude am Hafen (hier wird der Fisch gewogen und frisch zubereitet: man bezahlt individuell, so wie man bestellt) und anschließend wieder an den Strand ging, um meinem Hobby, der Fotografie, nachzugehen.

Irgendwie vergingen die sieben Tage wie im Flug. Ich hatte mich kaum umgedreht und schon hieß es wieder die Koffer packen, um den Heimweg anzutreten. Rückblickend muss ich sagen, dass mir mein Aufenthalt sehr gut gefallen hat. Ich bin in der Zeit viel gewandert, habe dreimal den vom Hotel kostenfrei angebotenen Shuttle-Bus nach Kolberg genutzt und viel unternehmen können. Es wäre schöner gewesen, wenn das Wetter etwas zuverlässiger, sprich sonniger gewesen wäre. Aber man kann ja nicht alles haben.

Außer den Parkgebühren und meinen im Café verzehrten Getränken musste ich nichts zusätzlich bezahlen. Mein Trinkgeld für die Angestellten habe ich dann als Dankeschön betrachtet und davon reichlich gegeben. Ich komme gerne wieder, denn die polnische Gastfreundschaft hat mir sehr gefallen.

Alles in allem habe ich für meine Reise, die von Freitag bis Sonntagabend ging für Benzin 105 EUR (75 EUR über Mitfahrer zurückerhalten), rund 80 EUR für zwei zusätzliche Übernachtungen auf dem Weg und alle Trinkgelder (40 EUR) etwa 400 EUR ausgegeben. Ich empfehle jedem, diese Auszeit zu buchen und zu genießen, so lange man sie noch zu diesen Konditionen angeboten bekommt. Und ich mache hier gerne unbezahlte Reklame für dieses Hotel, denn ich bin überzeugt, dass es jeden Euro wert ist.

Dankeschön und auf ein baldiges Wiedersehen – Dziękuję i do zobaczenia wkrótce

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