Was machst du?

So lautete in der jüngsten Vergangenheit oftmals die Frage, die ich gestellt bekam. Corona und alle damit verbundenen Auswirkungen waren der Auslöser dieser Frage und meine Antwort lautete oftmals: Ich nutze die Zeit, um Liegengebliebenes aufzuarbeiten!

Was aber ist Liegengebliebenes eigentlich? In meinem Fall sind es Projekte, die ich seit Jahren vor mir herschiebe, ungeliebte Arbeiten und Unausstehliches.

Eins dieser Projekte war die Diele. Vor fünf Jahren renoviert und vom ersten Tag an gehasst. Nicht etwa, weil die Tapete schlecht ausgewählt war oder die Farbabstimmung nicht passte!

Nein, es lag einfach an der Ausführung der Arbeiten: Schlampig vorbereiteter Untergrund, schlecht entfernte Resttapeten und miserabel verspachtelte Schäden am Putz.

Seit fünf Jahren bereitete mir der tägliche Anblick der Pfuscharbeit erhebliche Bauchschmerzen. Ich wollte diesen Anblick loswerden, musste dafür aber anfangen, die alten Tapeten abzureißen, die Decke perfekt vorzubereiten und Schalter und Steckdosen gerade zu rücken. Ich nervte meine Partnerin ständig mit meiner Aussage: Ich muss das machen, damit ich mich besser fühle!

Irgendwann im Frühjahr 2019 waren wir dann in einem Baumarkt und sahen eine tolle Fototapete,IMG_6147, die ausgezeichnet auf zwei Türen in unserer Diele passen würde, denn die wollten wir etwas „aufhübschen“ und damit das Gesamtbild frischer machen. Da man die Tapete nur bestellen konnte, machten wir das auch. Allerdings mussten wir bei der postalischen Lieferung feststellen, dass man sie nicht zurückgegeben kann. Selbst dieser Umstand war noch nicht der Auslöser, mit den Arbeiten anzufangen. Es war Herbst 2019 und der Drang, endlich anzufangen wurde weit, weit nach hinten gestellt.

März 2020: Unser Urlaub im europäischen Süden wurde aufgrund der Corona-Krise storniert und wir zum Daheimbleiben verdonnert. Jetzt verdeutlichte sich, dass es an der Zeit sei, etwas daheim zu verändern.

Wir machten uns auf in das Gartenzentrum, um unseren Balkon für das Frühjahr, das wir ja nun mehr oder weniger dort verbringen mussten, aufzurüsten. Ich baute einen Ständer für einen großen Bottich aus witterungsbeständigem Hartholz und war auf der Suche nach den perfekten Schrauben, als wir uns erneut im Baumarkt wiederfanden. Meine Frau erinnerte mich erneut an mein Vorhaben: Die Renovierung bzw. den Umbau der Diele, denn dort wollte ich jetzt zusätzlich die Decke abhängen und energiesparende LED-Leuchten verbauen. In Gedanken zwar angedacht und vorgeplant, aber so spontan war ich dann doch nicht, dass ich für die Arbeiten alles einkaufen wollte. Ich setzte mir aber das Ziel, mit den Arbeiten zeitnah (in der Hoffnung, doch noch etwas Spielraum zu haben) zu beginnen.

Wieder daheim, arbeitete meine Frau auf dem Balkon und topfte um, erneuerte Erde, pflanzte neu und arrangierte um. Ich wiederum saß im Büro und plante das Abhängen der Decke, berechnete die benötigte Materialmenge und kalkulierte die meisten Risiken, so ich mir dieser bewusst war. Nachdem ich das abgeschlossen hatte, fragte mich meine Frau nach getaner Blumenarbeit, ob wir nicht schnell nochmals in den Baumarkt fahren sollten, um das von mir berechnete Material zu besorgen. Ich bekam Panik, denn es zeigte sich, dass meine Frau entschlossener als ich war, endlich das Projekt anzufassen und zu Ende zu bringen.

Ich fuhr alleine in den Baumarkt, denn ich benötigte das gesamte Platzangebot in meinem Prius, um alle Materialien (Rigipsplatten, Wand- und Deckenprofile, Abhänger, Spachtelmasse, Dübel, Schrauben, LED-Spots, Stromkabel, usw.) transportieren zu können. Noch im Baumarkt stellte ich mir die Frage: Bist du dir ganz sicher, dass du das wirklich machen willst … die Decke abhängen, alles verspachteln, Glasfasertapete verkleben, die Lichtinstallation vorbereiten, tapezieren, streichen und Randleisten verkleben? Ja, ich war mir sicher, dass es nunmehr an der Zeit war, alles in die Hand zu nehmen und endlich ein gutes Gefühl zu haben, wenn ich die neugestaltete Diele betreten würde. Rund 400 Euro leichter und alles Material zusammengepackt, füllte es den Stauraum im PKW fast ganz aus! Ich machte mich mit sehr gemischten Gefühlen wieder auf den Rückweg.

Am nächsten Tag war ich dann bereit, mit den Arbeiten anzufangen. Ich bereitete die Decken vor, entfernet das Licht und zeichnete mithilfe der Wasserwaage die Markierungen für die Wand- und Deckenprofile an. Alleine eine nicht zu unterschätzende Arbeit. Nachdem ich alle Vorbereitungen durchgeführt hatte und auch bereits die Verkabelung für die neuen LED-Spots durchgeführt war, machte ich mich an daran, alle Wandprofile anzudübeln. Anschließend bohrte ich die 200 Löcher für die Abhänger und verschraubte die Deckenprofile. Das Anschrauben der Rigipsplatten war aber ohne Hilfe einer weiteren Person nicht möglich.Rigipsplatten

Ich hatte zwar die kleinste Plattengröße gewählt, diese waren aber mit rund 12 kg Eigengewicht noch immer nicht für eine Person handhabbar. Hilfswerkzeuge erwiesen sich als schlecht nutzbar, sodass ich einen Freund fragte, ob er mich unterstützen könne. Gemeinsam verschraubten wir alle Platten und ich konnte anschließend die gesamt Fläche verspachteln. Das Resultat konnte sich jetzt schon sehen lassen, denn durch die etwas geringere Raumhöhe von jetzt 2,65 m war unsere Diele schon wohnlicher geworden. Nun war es an der Zeit sich mit den Wänden zu befassen, damit anschließend das Tapezieren in Angriff genommen werden konnte.

Mithilfe eines Wand- und Deckenschleifers entfernte ich alle Unebenheiten und Spachtelreste und bereitete den Untergrund für das Anbringen der Vlies- und Glasfaser-Tapete vor. Die Decke war leicht zu tapezieren, da die sich die Glasfaser großflächig aufbringen ließ. Nachdem sie dann über Nacht abgetrocknet war, konnte die gesamte Fläche mit der vorgemischten Farbe gestrichen werden. Nun beklebten wir die Türflächen mit der Fototapete und tapezierten die Wandflächen. Da wir viele Rundbögen haben, waren die Arbeiten sehr zeitaufwändig, denn wir wollten den Verschnitt gering halten. Die Gesamtmenge von dreizehn Rollen Vlies-/Fototapete und einer Rolle Glasfaser reichte aus, um alles unseren Vorstellungen entsprechend umzusetzen. Die letzte Arbeit bestand darin, die Fuß- und Deckenleisten anzubringen und die Möbel wieder einzuräumen. Das Ergebnis von zwei Wochen Arbeit war vorzeigbar und wir glücklich, dass wir dieses Projekt zu unserer Zufriedenheit haben abschließen können.

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